In diesen Tagen macht eine Studie der Alfred University im kalifornischen Albany von sich reden. Dort hatten die Forscher Studenten untersucht, die das Internet intensiv nutzen. Das Ergebnis war ein Schlag für die Apostel des Informationszeitalters: Diese Studenten scheitern öfter in den Prüfungen als ihre Kommilitonen, und sie verfehlen mit höherer Wahrscheinlichkeit den Universitätsabschluß. Das Internet macht also dumm.

Wenn das wahr ist, so ist es zum ungünstigsten Zeitpunkt herausgekommen. Gerade hat sich ein achtzehnrädriger Truck aufgemacht, um Hunderte von amerikanischen Schulen mit den Segnungen des Internet bekannt zu machen. Die sogenannte CyberEd -Tournee bereitet ein millionenschweres Cyber-Education-Projekt vor. In dessen Verlauf sollen rund 400 Schulen in sozial benachteiligten Gebieten an das Internet angeschlossen werden. Einen Teil der Kosten trägt die Regierung, den Rest übernehmen die Telephongesellschaft MCI und der Softwareriese Microsoft.

Nun wird eifrig debattiert, ob die Universitäten mit solchen Studien vielleicht nur die Volksmassen vom Internet fernhalten wollen, damit sie dort bald wieder so ungestört werken können wie noch vor wenigen Jahren.

Es ist wohl schon zu spät. Sogar in Deutschland geht es jetzt los: Fast gleichzeitig mit dem Start von CyberEd stellte sich in Bonn die Initiative Schulen ans Netz nunmehr unter den Schutz des Forschungsministeriums. Möglichst viele deutsche Schulen sollen möglichst schnell an das Deutsche Forschungsnetz (DFN) angeschlossen werden, das wiederum ein Teil des Internet ist. Dafür stehen zunächst einmal 36 Millionen Mark zur Verfügung. Das Sümmchen ist gerade groß genug, das Heraufdämmern eines neuen Marktes anzuzeigen, und schon sind alle dabei: Die Telekom wittert herrliche Geschäfte, wenn die Schulen tagsüber zur besten Tarifzeit am Netz hängen. Auch die Online-Dienste zeigen sich spendierlich; AOL vergibt beispielsweise 10 000mal einen kostenlosen Zugang zum eigenen Angebot und damit auch ins Internet.

Inzwischen hat auch schon jeder bessere lokale Internet-Anbieter, der in die örtliche Tageszeitung will, seine eigene Schulinitiative ins Leben gerufen. Wer das beste Schmuckblatt für eine persönliche Niederlassung im World Wide Web entwirft, kann beispielsweise bei der Firma Wertron in Osnabrück für seine Schule einen kostenlosen Internet-Zugang gewinnen. Nun brüten Eltern wie Kinder über der Frage, wie man wohl diese Homepages gestaltet, von deren Existenz die meisten bislang keine Ahnung hatten. Sollten sie darüber die Schularbeiten vergessen, kommen die Forscher aus Albany zu einem billigen Triumph.

Wie können die Jugendlichen denn nun von der Welt der Computernetze profitieren? Unter Online-Journalisten kursierte neulich eine Umfrage nach den sinnfälligsten Beispielen. Den Spitzenplatz errang ein eher tragischer Fall: Eines Tages hatte in einer Plauderecke des Microsoft Network jemand seinen Selbstmord angekündigt. Mitleser verständigten die diensthabenden Techniker; diese ermittelten eine Einwahladresse in Australien und sorgten dafür, daß die dortige Polizei alarmiert wurde. Wenig später erschienen die Beamten mitsamt Rettungswagen am angegebenen Ort. Sie fanden ein Elternpaar vor, das sich als unerschütterlich erwies: Diese Selbstmorddrohungen seien sie schon gewohnt vom Buben, das sei halt der Schulstreß, und ob nun der Rummel bitte wieder abgeblasen werden könne; man sitze gerade beim Fernsehen.