Diese endlosen niederdeutschen Winternächte - sie sind nun gottlob vorüber. Unser einziger Trost waren wieder einmal unsere beiden treuesten Freunde: die Kunst und die Kreatur. Genauer gesagt: Franz Schubert, unser liebster Liederdichter, und Walter, unser lieber Hund. Walter, der Dobermann.

Dabei müssen wir, um der Wahrheit willen, hinzufügen, daß es in diesem Jahr doch einige kleine Irritationen gegeben hat. Am Dreikönigstag zum Beispiel, als wir (wie an jedem Dreikönigstag) zusammen mit Walter Schuberts "Winterreise" aufführten, war eine gewisse musikalische Krise unüberhörbar. Den Anfang ("Fremd bin ich eingezogen") bewältigte Walter zwar wie immer mühelos und perlend, doch dann ließ seine Stimmkraft (leider!) von Lied zu Lied schmerzlich nach. Das traurige Ende des Zyklus ("Drüben hinterm Dorfe steht ein Leiermann") konnte unser Walter (einst der unumstritten beste Tenor unter Deutschlands Dobermännern) nur noch als jämmerliches Heulen und klägliches Jaulen zum Vortrag bringen.

Wir machten Walter keinen Vorwurf, damals. Und das war gut so. Denn nicht etwa mangelndes künstlerisches Ethos war der Grund für das Schubert-Desaster. Alles war, wie immer im Leben, viel banaler: Walter, unser Walter ist einfach zu fett geworden. Leidet, wie genau 25 Prozent aller gesamtdeutschen Hunde und Katzen, an chronischem Übergewicht.

Luciano Pavarotti, Tenor (diese Meldung schließt sich nun nahtlos an), hat die ganze Strahlkraft seiner Wunderstimme soeben wiedergefunden. Daran ist erstens die Liebe schuld (in Gestalt der 26jährigen Pavarotti-Sekretärin Nicoletta Mantovania), zweitens und letztens aber ein Gewichtsverlust von fünfzehn Kilogramm, erzielt durch eine "strenge Diät", auf welcher Signorina Mantovania erfolgreich bestanden haben soll.

Wir haben diese Meldung natürlich gleich unserem Walter vorgelesen - er hat nur bitter gelächelt, kurz aufgejault und seitdem jeden Bissen verweigert. Weshalb wir zuversichtlich davon ausgehen dürfen, daß auch seine Stimme bald wieder hinauffinden wird zum rostfreien hohen C.

Alles gut also. Aber leider nicht lange! Denn irgendwann wird Signor Pavarotti den jünglingshaften Heißhunger auf Gesang und Sekretärin verlieren - und dies wird die Stunde von Signora Adua Pavarotti sein, der Gattin und genialen Kochkünstlerin. Denn sie allein hat das Rezept für die berühmte "Amore al pesto". Und sie hat die Erfahrung der Jahrhunderte im Rücken: Wenn alle Heldentaten des männlichen Lebens vollbracht, wenn alle Arien zu Ende gesungen sind, kehrt der Mann und Tenor demütig in seine Bestimmung zurück: wird wieder Kind und Hund und Kater. Und verfettet in Frieden.