"Ich bin halt a echts Wiener Kind.

A Fiaker, wie man net alle Tag find . . ."

Wienerlied

Die Hähne hatten an diesem Tag noch nicht dreimal gekräht, da begann für mich schon die Arbeit des täglichen Lebens. Ich mußte um sieben Uhr morgens mein Grazer Hotelzimmer verlassen haben und um halb acht im Gefängnis sein. "Boom! Bang! Boom! Bang!"

Aus dem Discman ein paar Schläge aufs Trommelfell. "Once through a party in a county jail . . ." Mit Elvis im Ohr in ein Taxi: "Bitte zur Karlau!" Betonung auf der zweiten Silbe. Die Karlau ist das Gefängnis von Graz. Der Beamte an der Pforte schickt mich nach wenigen Formalitäten in einen kleinen, kahlen Raum, eine Art Wartezimmer. Ein alter Lautsprecher hängt offenbar schon lebenslänglich an der Wand, und es dauert eine knappe Viertelstunde, bis sich die Stimme eines weiteren Wärters durch den Lautsprecher wie durch ein altersschwaches Megaphon meldet: "Für Herrn Proksch, bitte!"

Türen öffnen sich surrend und fallen wieder ins Schloß. Ich passiere einen Metalldetektor und werde eingecheckt in die Karlau. Hinter dem Verwaltungsgebäude liegt ein großer Hof, von hohen Mauern, Wachtürmen und Stacheldraht umgeben. Hier befindet sich das eigentliche Gefängnis, eine graubraune Trutzburg. Die Karlau war früher einmal ein Jagdschloß, und kaum ein Journalist, der sie besuchte, konnte sich den Witz verkneifen, der zur Karlau gehört wie die Gitter vor den Fenstern: "Damals wie heute nur geladene Gäste." Udo Proksch ist hier Stammgast. Er sitzt jetzt schon das sechste Jahr.