Der drollige Name. Knigge. Und wenn einer nichts weiß von der Aufklärung und der klassischen Epoche der deutschen Literatur, nichts von Lessing , Wieland , Schiller , Forster, Goethe - den kennt er, den mit dem Messer.

Aber Herr Knigge, Fisch mit dem Messer?

Der Knigge, wie es den Duden gibt und den Baedeker und den Brockhaus. So hat er überlebt, der räsonierende Erzähler und Philosoph für die Welt, der Journalist, Pädagoge, Komponist und Polemiker Adolph Freiherr Knigge, so ward ihm Nachruhm zuteil, falls man das Nachruhm nennen kann, falls das Überleben ist.

Gestorben also vor exakt 200 Jahren, am 6. Mai, betrauert von Frau Henriette und Tochter Philippine, beigesetzt im Dom zu Bremen. Und welcher deutsche Autor liegt schon in einem deutschen Dom begraben? Ausgerechnet er. Denn besagter, berühmter Band "Über den Umgang mit Menschen", den er 1788 erstmals veröffentlicht hat, ist ja nur einer von mindestens 24 seiner Sämtlichen Werke, und berüchtigt war Knigge,

vor allem in der letzten Epoche seines 43 Jahre währenden Lebens, eben wegen ganz anderer Sächelchen. Jakobiner! Volksaufwiegler! Kannibale!

O ja, man hat ihn bespitzelt. Man hat ihn diffamiert und schikaniert. Nicht mehr viel, und er wäre des Landes verwiesen worden oder gar im Loch geendet. Sie hatten ihn schon im Visier.