Der 31jährige Tanzlehrer aus Köln bereitete sich gerade auf ein Turnier vor, als ihn eine Erkältung erwischte. Der Hausarzt verordnete Echinacin-Tropfen. Am folgenden Tag stellten sich Gliederschmerzen und hohes Fieber ein. Nach drei Tagen verschrieb der Arzt daher ein Antibiotikum. Doch schon am nächsten Tag saß der Patient wieder im Sprechzimmer und klagte über heftige Muskelschmerzen - diesmal erhielt er ein Rheumamittel. Nach weiteren zwei Tagen hatte sich sein Zustand derart verschlechtert, daß ein Notarzt ihn ins Krankenhaus einwies, wo ein fortgeschrittener Muskelzerfall diagnostiziert wurde. Am vierzehnten Krankheitstag war der Tänzer tot.

Als Ursache ergab die Autopsie eine allergische Gefäßentzündung (Vaskulitis). Die Entzündung der Blutgefäße hatte zur Folge, daß kein Sauerstoff mehr ins Muskelgewebe gelangte und der Kreislauf zusammenbrach. Der Tanzlehrer starb an akutem Nierenversagen. Der Bremer Pharmakologieprofessor Peter Schönhöfer, der diesen Fall eingehend analysiert hat, nennt als wahrscheinlichsten Auslöser eine Allergie gegen den alkoholischen Pflanzenextrakt aus dem roten Sonnenhut, der unter den Namen Echinacin oder Echinacea purpurea vertrieben wird.

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Schönhöfer leitete bis 1989 die Abteilung für Arzneimittelsicherheit des Bundesgesundheitsamtes (BGA) in Berlin und gilt als Experte auf diesem Gebiet. Er schließt nicht völlig aus, daß auch eine Grippe eine solche Vaskulitis auslösen könnte. "Das ist aber extrem selten." Sicher ist er allerdings, daß weder das Antibiotikum noch das Rheumamittel für die tödliche Komplikation verantwortlich sind.

Ein anderer Patient, der Esberitox-N-Tropfen eingenommen hatte, litt schon nach kurzer Zeit unter Schleimhautblutungen. Im Krankenhaus wurde ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) festgestellt, sein Blut gerann kaum mehr. Die Folge waren ausgedehnte Blutungen ins Gewebe.

Der Mann starb elf Tage später an einer Massenblutung im Gehirn. Es stellte sich heraus, daß seine Thrombozyten-Antikörper positiv auf das Echinacin-Gemisch reagierten. Auch ein zweiter Bluttest, der sogenannte Lymphozyten-Stimulationstest, war hoch positiv. Peter Schönhöfer konstatiert: "Hier haben wir mit Sicherheit eine Immunreaktion auf Echinacin. Der Patient muß früher schon einmal Echinacin bekommen haben, war also bereits immunisiert." Echinacin hatte seine Blutplättchen beschädigt und so die Blutungen verursacht.