Glaubt man der Technik-Mythologie, dann stand am Anfang der pure Zufall: Ein nachlässiger Ingenieur hatte ein Stück Silizium in der Sonne liegenlassen, plötzlich schlugen die Meßgeräte wild aus - so wurde das Prinzip der Solarzelle entdeckt.

Zweifellos kursiert da eine nette Anekdote, nur leider hat sie mit der Wirklichkeit wenig gemein. So zufällig ging es keineswegs zu. Denn die Forscher der Bell Telephone Laboratories wußten sehr genau, wonach sie suchten: nach einer Möglichkeit, entlegene Telekommunikationsstationen mit Strom zu versorgen. Und als Gerald Pearson, Calvin Fuller und Daryl Chapin 1954 stolz die erste Silizium-Solarzelle präsentierten, war dies nur der Höhepunkt einer langen Entwicklung.

Die Photovoltaik - von einigen als die Technik des kommenden Jahrhunderts gepriesen - stammt genaugenommen noch aus dem vergangenen. 1839 tauchte Alexandre Edmond Becquerel (der Vater von Antoine Henri Becquerel, der durch die nach ihm benannte Einheit für Radioaktivität Berühmtheit erlangte) zwei Platten aus Platin in verdünnte Säure. Der neunzehnjährige Becquerel bemerkte, daß die Konstruktion mehr Spannung erzeugte, wenn er sie dem Sonnenlicht aussetzte. Er beobachtete so als erster den photoelektrischen Effekt: Licht kann die Position der Elektronen in Atomen verändern.

Wie das möglich ist, verstand damals freilich noch niemand. Erst 1905 löste Albert Einstein das Rätsel mit der Erklärung, Licht sei nicht nur als wellenförmige Strahlung zu interpretieren, sondern auch als Fluß winziger Energiepakete, die ähnliche Eigenschaften aufwiesen wie Materie. Für diese Lichtquantenhypothese bekam er 1921 den Nobelpreis.

Vor der Jahrhundertwende tappte man allerdings theoretisch noch im dunkeln und war aufs Experimentieren angewiesen: 1873 suchte etwa Willoughby Smith ein Metall, das sich für Telegraphenkabel unter Wasser eignete. Dazu testete der Ingenieur der britischen Telegraph Construction Company verschiedene Materialien. Als er mit metallischem Selen experimentierte, entpuppte sich das Element als Halbleiter: Im Dunkeln zeigte es einen hohen elektrischen Widerstand, verlor ihn jedoch, wenn Licht daraufschien.

Wenig später baute Charles Fritts die erste Solarzelle aus dem Halbleitermaterial. Sie wandelte freilich kaum zwei Prozent der Sonnenenergie in Strom um und war zudem aufwendig in der Herstellung. Eine Anwendung für das selten vorkommende Selen fand sich dennoch. Da seine Lichtempfindlichkeit der des menschlichen Auges ähnelt, wurde es bald als Lichtmesser für Photoapparate eingesetzt.