Ein Mausklick auf die kleine Parthenon-Ikone auf dem Bildschirm: Der Computer wählt sich in das nationale Datennetz ein. Eine angenehme Frauenstimme meldet sich: "Willkommen in Agora, Ihrem offiziellen Online-Dienst für Abstimmungen aller Art. Vergessen Sie bitte nicht, diese Woche an den lokalen Referenden teilzunehmen. Im virtuellen Gemeinderat wird gerade über das neue Rathaus diskutiert."

Zweiter Klick mit der Maus: Auf dem Bildschirm erscheint das multimediale Plenum. Das Projekt ist umstritten, die Rednerliste lang. Wer die Baupläne noch nicht kennt, kann sich durch ein elektronisches Modell das Gebäudes führen lassen. Budgetzahlen, Expertenstudien oder Presseartikel sind jederzeit abrufbar. Am unteren Bildschirmrand blinkt eine kleine Urne mit der Aufschrift: "zur Wahlseite".

Mausklick: "Stecken Sie Ihren Chip-Ausweis bitte in den Kartenleser Ihres Computers und klicken Sie auf ,Ja' oder ,Nein'", sagt die Frauenstimme. "Wenn Sie dieses Referendum für besonders wichtig halten, können Sie auch mehr als eine Stimme abgeben. Aber vergessen Sie nicht: Sie haben pro Jahr nur ein Dutzend Sonderstimmen."

Öffnet die PC-Maus - klick! klick! klick! - den Pfad in die Cyberzukunft? Ist dies die lang gesuchte beste Welt? Die schöne, neue, vollendete Demokratie? Für die Propheten des vernetzten Lebens in Amerika ist das keine Frage: Die Republik des 21. Jahrhunderts ist elektronisch oder gar nicht. Repräsentative Strukturen haben ausgedient, mit der Komplexität der heutigen Gesellschaft werden sie nicht mehr fertig. Da hilft nur noch direkte Demokratie. Und die ist, dank der neuen Technologien, endlich möglich.

Internet, World Wide Web, interaktives Fernsehen: All das eröffne Bürgern "ungeahnte Möglichkeiten, an politischen Entscheidungen teilzunehmen", versichert Alvin Toffler . Als professioneller Herold des Künftigen war er fast schon vergessen, da fand er mit seinem jüngsten Buch "Eine neue Zivilisation schaffen - die Politik der dritten Welle" noch einmal Resonanz. Dazu mag beigetragen haben, daß einer jener führenden Politiker, die in Datennetzen eine Rettung für die blockierte amerikanische Demokratie sehen, das Vorwort für Tofflers Buch verfaßt hat: Newt Gingrich. Nur mit diesen Netzwerken könne "die Kluft zwischen dem Wandel der Welt und der Stagnation der Politik" geschlossen werden, schreibt Gingrich, der republikanische Einpeitscher des Abgeordnetenhauses. Das Toffler-Buch verordnete er seiner Fraktion als Pflichtlektüre, gleich neben Werken des legendären Thomas Jefferson.

Die Begeisterung in allen Ehren: Führen die Informations- und Kommunikationstechnologien tatsächlich zu jenem Athen ohne Sklaven, wie es der legendäre amerikanische Präsident schon Ende des 18. Jahrhunderts erhoffte?