Das leise Summen verrät sofort, daß unter der Motorhaube ein Elektromotor arbeitet. Der Clou an dem sechssitzigen Kleinbus verbirgt sich jedoch unter den hinteren Sitzen. Dort findet sich nämlich nicht etwa eine Batterie, sondern ein komplettes Kraftwerk, das die 50-Kilowatt-Maschine speist: Sogenannte Brennstoffzellen wandeln Wasserstoff und Sauerstoff in Wasser um und produzieren dabei Strom. Der Fahrgast spürt von alldem freilich nichts: Der Bus beschleunigt mit seinem automatischen Zweiganggetriebe so flott wie ein herkömmliches Gefährt.

Necar II (New Electric Car) hat Daimler-Benz sein Forschungsgefährt getauft und rühmt es als "mit Abstand umweltfreundlichstes Auto der Welt". Als Symbol dafür prangt auf Fahrer- und Beifahrertür eine Aufnahme der Erde aus dem All. Ganz unbescheiden will der Konzern offensichtlich nicht nur "ein neues Kapitel in der Automobilentwicklung aufschlagen", sondern gleich den ganzen blauen Planeten retten.

In der Tat pustet der Auspuff von Necar II lediglich reinen Wasserdampf in die Umwelt. Nicht einmal klimaschädliches Kohlendioxid entweicht.

Kann das Auto damit sein Image als notorischer Umweltverpester abschütteln? "Die Brennstoffzelle hat dem Automobil eine besondere Perspektive über das nächste Jahrhundert hinaus gegeben", freut sich jedenfalls Mercedes-Benz-Chef Helmut Werner. Die Stuttgarter Forscher räumen dieser Technik größere Chancen ein als Batterien oder Erdgasmotoren. Einer Studie des amerikanischen Energieministeriums zufolge soll im Jahr 2030 bereits jedes vierte Fahrzeug mit Brennstoffzellen laufen. Eine große Zukunft also für eine alte Technik?

Bereits 1839 erfand der britische Naturforscher William Grove das Prinzip der mit Wasserstoff gespeisten Stromquelle. Doch sie konnte sich bisher nur Marktnischen erobern, im All und unter Wasser. Bis heute erzeugen die teuren Brennstoffzellen Strom für Raumfahrzeuge und U-Boot-Motoren. Neu entwickelte Materialien lassen nun jedoch auf einen Durchbruch hoffen.

Im Forschungszentrum Karlsruhe kurvte bereits vor mehr als zehn Jahren ein VW-Bus mit Brennstoffzellen herum. Doch funktionierten seine Zellen nur, wenn sie mit Wasserstoff und reinem Sauerstoff gefüttert wurden. Zudem nahmen sie die gesamte Ladefläche ein.

Bei Necar II - wie sein Vorgänger Necar I in Stuttgart am Neckar entwickelt - sorgen zwei Stapel mit je 150 Brennstoffzellen für Energie. Jede Zelle besteht aus zwei Elektrodenplatten, die eine mit Edelmetall beschichtete Polymerfolie einschließen. Die ein zehntel Millimeter dünne Folie verhindert eine allzu rasche chemische Reaktion, die gefürchtete Knallgas-Explosion: An ihrer einen Seite strömt Wasserstoff vorbei, an der anderen Luft. Winzige Poren lassen zwar keine ganzen Atome passieren, aber Protonen, also Wasserstoffatome, die ihr Elektron abgestreift haben. Die Folie wirkt daher als sogenannter Elektrolyt. Die Protonen zwängen sich durch die Löcher und reagieren mit dem Sauerstoff auf der anderen Seite. Die Elektronen müssen einen Umweg machen, somit fließt Strom. Die Energie stammt aus der Reaktion der Wasserstoff- mit den Sauerstoffteilchen.