El Pais kann ruhig ein bißchen stolz auf sich sein. Zwanzig Jahre ist es her, daß ihre erste Ausgabe an den spanischen Kiosken für zehn Peseten zu haben war.

Der damals gerade 31jährige Chefredakteur Juan Luis Cebrián hatte noch Schwierigkeiten, überhaupt genügend gute Journalisten für das neue Blatt zu gewinnen. Zu unsicher schien vielen die Zukunft des Projekts. Heute ist die Madrider Tageszeitung zu einer Institution geworden, zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags, so wenig aus Spanien wegzudenken wie die Tapa-Bars an der Ecke oder die Goyas im Prado.

"Eines der besten Blätter der Welt" nennt Hans Magnus Enzensberger die Zeitung. Seit Jahren ist sie unverzichtbare Lektüre für alle, die in dem Land etwas zu bewegen haben. Die mit Abstand größte Tageszeitung Spaniens verkauft täglich 420 000 Exemplare und am Wochenende über eine Million.

In den zwei Jahrzehnten ihres Bestehens hat El Pais außerdem so viel Geld verdient, daß um das Blatt herum der größte spanische Medienkonzern, Prisa, entstanden ist: Die meistgehörte spanische Radiokette gehört dazu, Cadena Ser, der Fernsehsender Canal + und die Spielfilmproduktion Sogetel.

El Pais, wenige Monate nach dem Tod des Diktators Franco auf dem Markt erschienen, war die erste Zeitung der spanischen Demokratie. Schon 1972 hatte Josè Ortega Spottorno - Sohn des bedeutendsten spanischen Philosophen dieses Jahrhunderts, Josè Ortega y Gasset - Leute der gemäßigten Franco-Opposition um sich versammelt, um sie für die Idee einer unabhängigen, liberalen Zeitung zu gewinnen. Ende 1975, auf der letzten von Franco geleiteten Ministerratssitzung, erhielt die Gruppe die lange beantragte und zuvor immer wieder abgelehnte Erlaubnis zur Gründung von El Pais. "Franco war damals schon sehr krank und mußte die Sitzung für eine Weile verlassen", erzählt der frühere Chefredakteur und jetzige Prisa-Geschäftsführer Cebrián. "Ich frage mich bis heute, ob Franco überhaupt erfahren hat, daß wir die Genehmigung bekamen."

Im Mai 1976 spielte das schon keine Rolle mehr. Der Diktator war tot, das Land mußte auf den Weg zur Demokratie gebracht werden. Und El Pais trug seinen Teil dazu bei - als intellektuelles Gewissen des Landes in jenen Jahren der transición.