Die Auflagen niedrig, der Werbeetat schmal, die Autoren kaum bekannt.

Dem Focus Verlag geht es wie vielen Kleinverlagen: Er macht gute Bücher, doch niemand liest sie - fast niemand. Denn in Fachzirkeln hat das kleine Haus in Gießen einen großen Namen. Das liegt an einer Sammlung, die im vorigen Jahr ihren zehnten Geburtstag feierte: Ökozid. Sie handelt von den Folgen des Kahlschlages, den unsere Raubkultur auf dem Planeten veranstaltet - und vom gemeinsamen Widerstand im Süden und im Norden.

Das Projekt startete im Jahre 1985 mit einer Dokumentation über bedrohte Regenwaldvölker. Seither wurden sämtliche Felder des globalen Umweltschutzes - von der Klimafrage bis zum Agrobusineß - beackert. Leitmotiv der Buchreihe sind der Überlebenskampf der indigenen Völker, die im Weltkonzert keine Stimme haben, und die fatale Verstrickung der Industrieländer in ihr Schicksal: Es geht um unsere Multis und Aktien, unsere Atommeiler und Tropenholzregale, unsere Staudämme und Hamburger, um unseren ökonomischen Wahn, unsere exotischen Begehrlichkeiten.

Großen Verlagshäusern, getrieben von Markt und Moden, fehlt in der Regel der lange Atem für derartige Editionen. Waldsterben - wer kräht noch danach? Rio, Kairo, Kopenhagen? Neue Mammutkonferenzen der Uno, neue Megathemen. Eiligst aufgeblasen, schleunigst vergessen.

Nur Nischenverlage können sich die Langsamkeit noch leisten, Verleger wie Helmut Schmid und Herausgeber wie der Ethnoökologe Peter E.

Stüben. Beharrlich, engagiert, ja besessen verfolgen sie seit einem Jahrzehnt ihr publizistisches Projekt. Heute dürfen sie stolz anmerken, daß die frühen Forderungen aus ihren Sammelbänden - Schuldenerlaß, Kennzeichnung von Tropenhölzern, Regenwaldfonds - in Parlamentsausschüssen und Enquetekommissionen ganz selbstverständlich diskutiert werden.

Zum zehnten Geburtstag der Reihe legte der Verlag den Band Ökozid 10 vor. Thema: Biodiversivität. Motto: "Die meisten nehmen Artenschutz erst ernst, wenn es nichts mehr zu schützen gibt."

Jürgen Wolters (Hrsg.):

Leben und leben lassen

Biodiversivität Focus Verlag, Gießen 1995 234 S., 29,80 DM