Bei seinen Zeitgenossen galt er als Alchimist und Wahrsager, als Astrologe und Goldmacher, aber wohl auch als Gelehrter und naturwissenschaftlicher Forscher. Vermutlich um 1480 im schwäbischen Knittlingen geboren, erregte er bald als Schwarzkünstler, als Magier, Aufsehen. 1507 erhielt er für kurze Zeit eine Anstellung als Schulmeister in Kreuznach 1520 wurde er vom Bamberger Bischof für astrologische Dienste bezahlt 1528 aus Ingolstadt ausgewiesen. Weitere Aufenthalte sind unter anderem in Gelnhausen und Erfurt bezeugt. Um 1540 ist er gestorben - Johann Georg Faust.

Lessing und Heine, Grillparzer und Puschkin, Thomas Mann und natürlich Goethe: Kaum ein Stoff hat in der Weltliteratur eine derart häufige und vielfältige Ausprägung erfahren wie die Geschichte von einem Alchimisten Faust, der sich dem Teufel verschreibt und jeden Wunsch erfüllt bekommt, bis er nach Ablauf des Kontraktes zur Hölle fahren muß. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Thema so überaus oft bearbeitet, daß sich Paul Valéry 1940 im Titel seiner Faustdichtung zu einem bezeichnenden Zusatz genötigt sah: Als Zeichen, daß er gegen eine gewaltige Tradition anschreibe, nannte er sein Fragment "Mon Faust".

So spärlich die Angaben zum historischen Faust auch sind: Deutlich wird die Faszination, die er schon auf seine Zeitgenossen ausübte.

Widerwillig äußerte sich etwa der Humanist Mutian über den Besuch Fausts in Erfurt, dieser sei zwar "ein bloßer Prahler und Narr" und "seine Kunst, wie die aller Wahrsager, eitel", ja "leichter als eine Wasserspinne", aber: "Die Unkundigen staunen es an."

1587 bereits erscheint die "Historia von Doktor Johann Fausten / dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkünstler". Das Volksbuch reicherte die Erinnerung an den knapp fünfzig Jahre zuvor Verstorbenen um die schaurig ausgemalte Geschichte des Teufelsbündnisses an.

Bei aller Schwankerzählung, die das Buch enthält, liegt doch das Hauptgewicht auf der christlichen Warnung vor dem schrecklichen Ende, das der Gelehrte nimmt, nachdem die 24 Jahre des Paktes abgelaufen sind: Der Teufel dreht ihm den Hals um und fährt mit ihm zur Hölle.

Natürlich streiten sich bis heute einige Städte um den Ruhm, Todesort des verrufenen Alchimisten zu sein. Staufen im Breisgau nimmt für sich mit einigem Recht in Anspruch, die Stätte zu sein, an der ihn sein Schicksal ereilte. Dies geht vor allem aus der um 1565 verfaßten sogenannten "Zimmerischen Chronik" hervor, wo die Stadt als Todesort des "weltberüempten schwarzkünstler" genannt wird. Und wenn's denn wirklich nicht so war, ein hübsches Ausflugsziel ist Staufen allemal.