Die Zielperson läßt sich nicht sehen, aber das stört den Detektiv nicht. Bert Huske ("Das ist mein Arbeitsname") weiß: Solange sich der schwarze BMW dort drüben auf dem Parkplatz des Autohändlers nicht von der Stelle rührt, ist sein Besitzer drinnen bei der Arbeit. Der Mann verkauft Autos. Das soll er auch - nur nicht diese und nicht hier. Denn Arbeitgeber des Verkäufers ist nicht der Händler, dessen Parkplatz Huske überwacht, sondern ein anderer, der nun auch Arbeitgeber des Detektivs ist. Huske soll Beweise liefern, daß der Angestellte seines Klienten sich krank schreiben ließ, um für einen Konkurrenten zu arbeiten, zu dem er demnächst wechseln will.

Bert Huske ist Experte. fünfundzwanzig Jahre beim Militärischen Abschirmdienst (MAD), "Lehrgänge in Observation, Befragung, Photographie, Zersetzung, Spionage, Sabotage, Schulungen beim BKA und beim holländischen Geheimdienst - hab' ich alles mitgemacht". Doch die Genesung krank geschriebener Arbeitnehmer zu überwachen ist einfach lukrativer als der geheime Dienst am Vaterland. Beim MAD, sagt der Detektiv, "hätte ich schon vor zwanzig Jahren gehen sollen. Dann wär' ich heute Millionär."

Das Autotelephon summt. "Derselbe Arbeitsweg wie gestern", berichtet ein Detektivkollege. "Die Zielperson hält sich im Untergeschoß auf, da, wo die Gebrauchtwagen sind." Es ist der zweite Tag der Observation. Seit gestern früh wird der Angestellte überwacht.

Krankschreibungen zu überprüfen ist für Detektive ein leichtes Spiel. "Man muß nur seine Hausaufgaben machen", sagt Lothar Wenzel, für dessen Wirtschaftsdetektei Huske arbeitet. Observieren, einen Bericht schreiben, eventuell kurz zur Gegenüberstellung in die Personalabteilung des Auftraggebers - fertig. Das Geschäft mit den Blaumachern läuft gut. Früher habe er wöchentlich einen solchen Fall bearbeitet, sagt Wenzel. In letzter Zeit aber kämen jeden Tag ein oder zwei Aufträge.

Damit liegt die Kölner Detektei im Trend. Mario Krupp, Geschäftsführer des Bundes Internationaler Detektive, hat "an die dreißig Kollegen" aus allen Bundesländern befragt: "Im Moment haben wir häufiger mit Blaumachern zu tun, das haben mir alle gesagt." Beim Deutschen Detektivverband in Frankfurt, der zweiten von drei Standesorganisationen der Überwachungsbranche, hat man Ähnliches ermittelt.

"Wir haben hier eine Zunahme solcher Aktivitäten zu verzeichnen", sagt Sprecher Klaus-Dieter Baier. Auch Josef Riehl, Geschäftsführer des Bundes Deutscher Detektive mit Sitz in Bonn, bestätigt, daß die Kontrolle Krankgeschriebener für die Mitglieder seines Verbandes ein wichtiges Arbeitsgebiet sei. Allerdings habe die Zahl derartiger Aufträge in letzter Zeit nicht nennenswert zugenommen.

Wenn Detektive krank gemeldete Arbeitnehmer überwachen, liege in aller Regel mehr vor als nur ein gelber Schein, versichert Lothar Wenzel, der Kölner Detektiv. "Hundert, hundertzwanzig Fehltage im Jahr", telephonisch nicht zu erreichen, zu Hause nicht angetroffen, Kollegen erzählen von Nebeneinkünften oder daß gerade die Wohnung renoviert werde: In solchen Fällen erkennt Wenzel das "berechtigte Interesse" eines Klienten an. Andere Aufträge lehnt er ab. Etwa jede zehnte Anfrage sei "von der Art: ,Hier habe ich einen Arbeitnehmer, der geht mir auf den Senkel, den möchte ich loswerden, egal, wie.` Oder es geht um besonders kritische Arbeitnehmer, die den Betriebsfrieden stören."