Elmar Faber war lange Direktor des Aufbau-Verlags Berlin und Weimar, hauptansässig in Ost-Berlin. Zum jährlichen Verlagsfasching erschien er einmal, flankiert von seinen beiden Sekretärinnen, im Cape (oder war es ein Smoking?), auf jeden Fall mit einer Reitpeitsche in der Hand und Zylinder auf dem Kopf. Die Robe verströmte einen gewissen irren Duft von Größenwahn, und die feine, gebildete Aufbau-Belegschaft schnaufte dementsprechend pikiert. Obwohl ein Verlagsdirektor wie Faber für den DDR-Kunstzirkus ja tatsächlich so etwas wie einen Dresseur und Dressman vorstellte.

Jahre später. Daß diese DDR einfach nicht untergehen will, ermutigt - sogar unternehmerisch. Im September 1990 gründeten Elmar Faber und Sohn in Leipzig den Verlag Faber & Faber. Das erste Buchprogramm lag im Herbst 1991 vor.

Faber & Faber ist vornehmlich der wahr gewordenen Traum eines Mannes, der sich auch in den Zeiten des faulenden und parasitären Kapitalismus nicht davon verabschieden kann, Bücher zu verlegen.

Letzteres wollen viele, doch Fabers Bücher sollen, so Juniorchef Michael Faber, "nicht als Wühltischware enden, sondern eine Art Haute Couture der Verlegerkunst" abgeben. Da die Haute Couture nun aber nicht einfach Produkte, sondern Kollektionen vorlegt, versammeln sich Faber & Fabers mal limitierte, mal signierte und mal illustrierte Kreationen unter so gewaltigen Titeln wie "Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts", "Die Sisyphosse", "Bücher und Lebenskunst" und eben "Die DDR-Bibliothek". Das Gediegene war schon immer ein Pläsir von Elmar Faber, schließlich segelte der Mann zu DDR-Zeiten nicht aus Langeweile auf dem Kommandodeck der Willibald-Pirckheimer-Gesellschaft.

Für die unter dem Dach der "DDR-Bibliothek" vereinten Werke sind die Zeiten vorbei, da einem gelbes holzhaltiges Buchpapier schon bald nach Erwerb beim Umblättern in die Hand bröselte. Fabers DDR-Klassiker - um nichts Geringeres geht es - sind als Wessis verkleidete Ossis: gediegenes Weiß, diskretes Schwarz, bedeutendes Purpur. Im Innern der Bände finden sich Lesebändchen, die mit etwas Willen zum Symbolischen als Trauerschwarz durchgehen können: Vive la DDR. Eine äußere Veredelung gewissermaßen - warum soll auch die ganze "DDR-Bibliothek" auf den ersten Blick so verstaubt wirken, wie einige ihrer Bestandteile es wirklich sind, literarisch betrachtet.

Die ersten sechs Bände der "DDR-Bibliothek" kamen im Herbst 1995 in die Läden. Der Titel der Edition schafft Einheit, wo früher eher wenig von derselben herrschte: Kulturminister Johannes R. Becher neben Christoph Hein - wenn das Becher wüßte! (Denn Hein als Überlebenden der Geschichte wird es kaum scheren.) "Die DDR-Bibliothek" kennt keinen Herausgeber, der ihre Zusammenstellung verantwortet, wohl aber eine Art literarischen Beirat, der aus zu DDR-Zeiten hochangesehenen Literaturwissenschaftlern wie Dieter Schlenstedt und dem Brecht-Experten Werner Mittenzwei besteht. Beirat und Verlag stellen, so Faber junior, einen "Pool der Bücher" zusammen, die "in rezeptionsgeschichtlicher Hinsicht wichtig waren".

Dabei liegt die Betonung eher auf dem "waren" als auf dem "wichtig", denn mit der DDR-Literatur verhält es sich nun einmal wie mit den Fresken von Pompeji: Es wird, abgesehen natürlich von ein paar noch unveröffentlichten Tagebüchern oder Manuskripten, keinen Nachschub geben. So müssen die Nachlaßverwalter des Arbeiter-und-Bauern-Staates einfach darauf hoffen, daß auch noch das letzte Fitzelchen an Hinterlassenschaft auf jenes öffentliche Interesse stößt, das im Osten vor ungefähr zwei Jahren und aus Gründen vornehmlich identifikatorischer Abgrenzung wiedererwacht ist. Und vielleicht immer größer wird. Und, believe the hype, dieses Interesse weist einen entschieden enzyklopädischen Charakter auf.