Nachdem bisher nur Experten über ihn gesprochen haben, redet nun Arno Funke alias Dagobert erstmals selbst. Und erklärt seit dem 5. Juni ausführlich die Motivation für seine Kaufhauserpressungen.

Notwendig war die erneute Verhandlung vor dem Berliner Landgericht geworden, weil der Bundesgerichtshof das Urteil (siebeneinhalb Jahre) aufgehoben hatte statt vier zählten die Karlsruher Richter zehn "Tatkomplexe" jede mißglückte Geldübergabe (bei der die Polizei Pakete voller Papierschnipsel einsetzte) rechnete als eigene Tat.

Doch zunächst führten die psychiatrischen Gutachter aus, warum der Angeklagte trotz seiner schweren organischen Depression, des "Painter-Syndroms" (hervorgerufen durch die langjährige Arbeit mit Lacklösungsmitteln), in der Lage war, derart umsichtig seine Rohrbomben in Porzellan- und Hausratsabteilungen zur Explosion zu bringen, daß dabei niemand verletzt wurde, und zudem laufend neue Geldübergabegeräte zu basteln, die so ausgefeilt waren, daß man ihn als den "intelligentesten Verbrecher der Nac hkriegszeit" bezeichnete. Einer der Psychiater verglich Arno Funke mit Beethoven.

Später äußerte sich der Angeklagte selbst. Der Neuköllner Proletarier, der mit Sprühlackbildern für Karossen sein Geld verdiente, sah sich aufgrund der Lösungsmittelvergiftung vor eine ausweglose Situation gestellt, die ihn immer apathischer machte. Seine "Existenzangst" beschreibt er so: "Wenn ich in der Wirtschaft gewesen wäre, hätte ich ein Wirtschaftsdelikt begangen aber so war die Kaufhauserpressung das einzige, was ich machen konnte." Den "Druck", der auf ihm lastete, setzte er gleichsam in den Detonationsdruck seiner Bomben um, mit denen er vom Kaufhaus Geld erpreßte das frische Kapital gedachte er anzulegen. Zuletzt versuchte er mit immer schärferen Briefen Druck auszuüben, damit die Karstadt-Führung ihrerseits die Polizei unter Druck setzte, damit die ihm wiederum das Geld aushändige, wozu sie zuletzt auch neigte.

Dabei begriff sich Arno Funke nach wie vor als Arbeiter: "Ich bin oft in die Geldübergaben gegangen, als wenn ich zur Arbeit gehe." Viel "Zeit und Geld" investierte er in einen U-Boot-Bau, brach dann aber die "Arbeit" an dieser "Schnapsidee" ab. Teile davon "arbeitete" er in sein Schienenfahrzeug ein. Seine Übergabetermine setzten ihn bei seinen Vorbereitungen "unter Druck", aber "wenn ich mich nicht wohl fühlte, konnte ich der Polizei absagen, was ich im normalen Beruf nicht hätte machen können." Auch "die Arbeit" an einem Übergabetrick, bei der es Funke mit einer doppelten Wand versuchen wollte, brach er ab: "Das war mit zu heißer Nadel gestrickt."

Seiner philippinischen Frau erschien das alles normal: "Als wäre ich auf Arbeit. Die Wochenenden hielt ich mir immer frei."

Im Laufe der Zeit wurden die Taten und Pläne von Arno Funke immer welthaltiger: So inspirierten ihn die angeblich vor der schwedischen Küste georteten sowjetischen U-Boote seinerseits zum U-Boot-Bau.