DRESDEN.- Sie galt als Rädelsführerin der Demonstrationen am 17.

Juni 1953 in Halle. Einige Jahre zuvor soll sie sich als Aufseherin im Konzentrationslager Ravensbrück verdingt haben. Für die Justiz der DDR war klar: Erna Dorn war schuldig. Am 22. Juni 1953 wurde sie in Halle zum Tode verurteilt, im Oktober in Dresden hingerichtet.

Ein klarer Fall, wie die Leser dem Neuen Deutschland im bewegten Jahr 1953 entnehmen konnten. Die Schüler in der DDR lernten fortan die Legende von der "kaltschnäuzigen Nazibestie", und auch westlichen Literaturliebhabern war die Dorn keine Unbekannte: Stephan Hermlin veröffentlichte 1957 eine Erzählung mit dem Titel "Die Kommandeuse".

Protagonistin ist die einstige KZ-Aufseherin Hedwig Weber, die am 17. Juni von den Aufständischen im fiktiven Saalstedt befreit wird und auf einer Kundgebung für Freiheit und Menschenwürde eintritt.

In Wirklichkeit jedoch schlägt sie sich "mit einer unsichtbaren Gerte gegen einen unsichtbaren Stiefelschaft", und ihrem Vater schreibt sie: "Bald ziehen wir wieder unsere geliebte SS-Uniform an." Wenig später wird sie verhaftet und zum Tode verurteilt.

In Dresden bewegt die Legende um Erna Dorn erneut die Gemüter.

Grund dafür ist ein Gedenkstein, den die Stadtverwaltung auf dem Tolkewitzer Friedhof aufstellen wollte. Zwei Meter hoch sollte er werden, mit der Inschrift: "Den Opfern der Gewalt 1945 bis 1989". Auf dem Friedhof sind 23 Menschen begraben, die zwischen 1952 und 1956 in Dresden hingerichtet wurden. Auch das Urnengrab von Erna Dorn befindet sich dort.