Ein verblaßtes Bauschild läßt den spektakulären Entwurf nur undeutlich erkennen: Hier sollte er längst den Kölner Mediapark überragen - der 150 Meter hohe gläserne Turm des französischen Architekten Jean Nouvel. Doch der Blick durch eine Lücke im Bauzaun offenbart nur eine klaffende Baugrube und einige Nebengebäude im Rohbau. Auf diesem Abschnitt des Mediaparks tut sich nichts mehr, seit der Kerpener Bauunternehmer Herbert Hillebrand wegen finanzieller Schwierigkeiten vor gut einem Jahr die Bauarbeiten einstellen mußte.

Der Turmbau zu Köln ist ein Symptom für den Absturz der einst so hochfliegenden Pläne der Entwicklungsgesellschaft Mediapark Köln (MPK). Auf dem Gelände eines stillgelegten Güterbahnhofs am Rande der Kölner City sollte ein ganzes Viertel neu entstehen: 200 000 Quadratmeter, dicht besiedelt von Unternehmen aus der Medien- und Kommunikationsbranche und voller Wohnungen und Freizeitangebote. Kein Gewerbepark, sondern ein lebendiger Stadtteil: Klaus Braß von der Kölner Niederlassung der Immobiliengruppe Müller International beurteilt den Mediapark auch heute noch als "hervorragenden Standort".

Doch weil Unternehmen fernblieben und Investoren nicht bauten wie geplant, ist das 1990 begonnene Stadtentwicklungsprojekt immer noch Stückwerk. Um das Bauvorhaben aus dem Siechtum zu befreien, hat MPK-Geschäftsführer Klaus Pankoke den Gang vors Gericht angetreten. In erster Instanz war er erfolgreich: Die 11. Kammer für Handelssachen beim Landgericht Köln verurteilte den als "Burgenkönig" bekanntgewordenen Hillebrand zu einer Vertragsstrafe von 1,5 Millionen Mark, weil dieser die vertraglich vereinbarte Baufrist nicht eingehalten habe. Mit dem in Konkurs gegangenen Basler Investor Suter & Suter konnte Pankoke sich auf einen Vergleich einigen.

Aber auch Herbert Hillebrand erwägt rechtliche Schritte. "Wir sind übers Ohr gehauen worden", schimpft der Bauunternehmer. Und ein weiterer Investor, der Mönchengladbacher Architekt und Immobilienkaufmann Horst Maiburg, fühlt sich verschaukelt: Maiburg, der seinen Bau 1994 fristgemäß vollendete, klagt auf Schadensersatz in Höhe von 13 Millionen Mark. Das Problem: Bestandteil eines schriftlichen Vertrages waren die Versprechungen über bereits Schlange stehende Mieter nicht. Für Pankoke sind die Anschuldigungen der Investoren denn auch nur vorgeschoben: "Die wollen ihr Risiko auf die MPK abwälzen."

Für Hillebrand geht es um die Existenz. Der schillernde Unternehmer muß den stillgelegten Bau abstoßen, um seine Liquiditätsprobleme zu bekämpfen. Knapp 140 Millionen Mark hat das Mediapark-Engagement Hillebrand bislang gekostet. Für 97 Millionen Mark will er den Komplex verkauft haben. Den Namen des angeblichen Käufers gibt der Kerpener zwar nicht preis, aber da sei etwas "sehr weit im Gange", sagt Hillebrand und hofft: "Wenn wir das Problem Mediapark gelöst haben, ist unsere Firma wieder gesund."

Das Projekt zerfällt, obwohl die Medienbranche in der Domstadt boomt: Mittlerweile haben acht Fernsehsender, 230 Film- und Fernsehproduktionsfirmen und rund 220 Druckereien ihren Sitz in Köln.