Gut gewählt war der Auftakt zur neuen vierteiligen ZDF-Serie über Jahrhundertskandale: der unglaubliche Reinfall des sterns mit den "Hitler-Tagebüchern" im Frühjahr 1983. Der bewährte Dokumentationsautor Maurice Philip Remy wollte mit neuen Erkenntnissen jenes Juxbild revidieren, das sich seit der köstlichsten deutschen Filmkomödie "Schtonk" in vielen Köpfen festgesetzt hat.

Immerhin konnte ein brillierender Konrad Kujau zeigen, daß ihm auch heute noch die Schriftzüge Hitlers geschwind aus der Feder fließen. Mit primitiven Materialien und ungeheurem Fleiß produzierte er für den stern 63 Kladden, wofür das Verlagshaus Gruner + Jahr mehr als neun Millionen Mark bezahlte. G + J-Chef Schulte-Hillen damals: "Ganz nüchtern, wirtschaftlich gedacht", sei das eine gute Investition gewesen. Genau rekonstruiert wird in dem Film, wie sich international angesehene Schrift- und Papierexperten und renommierte Historiker narren ließen, so daß am Ende auch die wenigen Zweifler beim stern an die Existenz der Tagebücher glaubten. Am innigsten der stern-Reporter Gerd Heidemann. Er bekam im voraus schon mal für seine Großtat 1,5 Millionen Mark.

Heidemann mußte noch zwei Monate länger sitzen als Kujau, weil er nicht gestehen wollte, sondern dabei blieb, er habe die ihm vom Verlag anvertrauten Millionen, die er zuweilen in Einkaufsbeuteln transportierte, auf Heller und Pfennig mit Kujau abgerechnet.

Beweisen wollte er das mit den 350 Tonbändern, auf denen er heimlich seine Verkaufsgespräche mit Kujau mitgeschnitten hatte. Einiges davon war im ZDF mitzuhören. Nur erfährt der Zuschauer nicht, daß zu oft, wenn es ums Geld ging - neben den Kladden feilschten die beiden auch über Militaria -, das Tonband streikte.

Wer hat denn nun die Kohle? Das Gericht hat es nicht herausbekommen, und die beiden Angeklagten bezichtigten sich gegenseitig der Unterschlagung.

Nun lassen uns auch Autor Remy und die ZDF-Abteilung für Zeitgeschichte im Stich. Sie teilen lediglich mit, der Galerist Konrad Kujau, heute gefragter Produzent von Fälschungen und Fernseh-Partygast (bisher 400 Auftritte!), habe Immobilienkäufe in Millionenhöhe mit vielen stern-Talern getätigt. Soll man vermuten, daß einem so peniblen Rechercheur wie Remy bei der Arbeit die schönsten Rosinen abhanden gekommen sind?

Unverkennbar ist seine Absicht, den Reporter Heidemann, der heute bescheiden in einer kleinen Wohnung lebt, zeitweise von Sozialfürsorge, zu rehabilitieren. Er habe das sichere Gefühl, sagt heute Heidemann, Opfer eines Fehlurteils geworden zu sein.

Man glaubt es dem ehemaligen stellvertretenden stern-Chefredakteur Manfred Bissinger gern, daß Heidemann kein Nazi war, sondern ein vollkommen unkritischer Journalist. Doch wird das tiefbraune Milieu, in das Heidemann zuletzt eingetaucht war, nur am Rande berührt.

Kein Wort über die politische Verantwortung der profit- und ruhmsüchtigen Medienherren. Am Ende werden mit einem Tusch fünf der damals Verantwortlichen aus Verlag und Redaktion (einige sind auf der Karriereleiter nach oben gefallen) vorgeführt, weil sie alle nicht interviewt werden wollten. Übrigens: Warum traten keine stern-Redakteure auf?