Bonn

Wolfgang Zeitlmann war noch nie in der Türkei. Seinen Urlaub verbringt er lieber im Garten am Chiemsee, da gibt es Obstbäume, aus deren Früchten er Schnaps brennt. Den bringt er dann mit nach Bonn, in sein Abgeordnetenbüro, und bietet ihn den Gästen an. Daß das wunderbar in ein Klischee hineinpaßt - Bayer, heimatverbunden, deutsches Fallobst, Prost -, stört ihn nicht weiter. "Ich bin Schläge gewohnt", sagt er.

Erst kürzlich ließ er sich von einer Zeitung mit dem Satz zitieren: "Wenn ich mich heute nacht mit einer Negerin ins Bett lege, und ein Kind kommt dabei heraus, was ist das dann: ein Deutscher, ein Mischling, oder was?" Protestiert hat er gegen die Veröffentlichung nicht. Obwohl er "Mischling" gar nicht gesagt hat. Negerin, das schon. Ihm war auch klar, daß das zumindest sein Intimfeind, der Grüne Cem Özdemir, im Bundestag ausschlachten wird. "Von meinen Kindern höre ich das auch immer: ,Geh, das kannst du doch heute nicht mehr sagen!`" Aber Zeitlmann kann.

Sein Parteifreund Norbert Geis ist da vorsichtiger. Genaugenommen ist er fast peinlich bemüht, kein falsches Wort zu wählen, und wenn ihm doch eines herausrutscht, dann schickt er sogleich hinterher: "Aber das streichen wir aus dem Protokoll." Hineinschreiben darf man seine Zitate von Lord Dahrendorf und Kurt Schumacher, denn wenn Norbert Geis schon etwas über Ausländer, über Nation und Kultur sagen muß, dann legt er es lieber Unverdächtigen in den Mund.

Helfen tut es ihm nicht. Auch er ist Zielscheibe. Geis, der rechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion, und Zeitlmann, der innenpolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe - gemeinsam stehen sie für die Blockade bei der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts. Man könnte auch noch Michael Glos nennen, den Chef der CSU-Landesgruppe, Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, seinen Innenminister Beckstein und Bundesinnenminister Kanther. Mehr aber nicht. Alle anderen sind anderer Meinung oder schweigen - wie Wolfgang Schäuble und Helmut Kohl.

Damit hat sich die Schlachtordnung in einem entscheidenden Punkt der Ausländerpolitik verändert. Zu der überwältigenden Mehrheit von SPD, Grünen und FDP, die seit Jahren dafür eintreten, hier geborenen Ausländerkindern die deutsche - und damit die doppelte - Staatsangehörigkeit zu verleihen, hat sich eine schwer quantifizierbare Gruppe der CDU gesellt. Seit die Rechtspolitiker Altmaier, von Klaeden und Röttgen ihre 150 Namen umfassende Unterschriftenliste zur Reform des Staatsbürgerschaftsrechts vorgelegt haben, ist die Union verunsichert. Wer hält noch an der Verabredung aus dem Koalitionsvertrag fest? Will außer der CSU überhaupt noch einer die "Kinderstaatszugehörigkeit"?

Um Wolfgang Zeitlmann und Norbert Geis ist es einsam geworden.