Mit der CD-ROM-Version des rororo-Standardwerkes "Lexikon des Internationalen Films" bekommt "Cinemania" , das seit 1992 in englisch auf dem Markt ist, endlich deutschsprachige Konkurrenz. Oder? Ein Filmfan, der gerade "Das Baumhaus" gesehen hat, will mehr über Kevin Costner wissen. Also betritt er das "Foyer" des "Lexikons", greift ins Regalfach "Besetzung" und gibt den Namen Costner ein. In diesem Fall kann er sich ein Standphoto des Stars ansehen oder sich über Costners Auszeichnungen informieren.

Auch ein Artikel ist abrufbar, er stammt jedoch aus dem Jahr 1991 und ist zum Start von "Der mit dem Wolf tanzt" erschienen. Costners weitere Entwicklung bleibt unberücksichtigt. Klickt der Wißbegierige schließlich auf dem Hauptbildschirm auf Costners Namen, erscheint eine tabellarische Auflistung seiner Filme. Hinter jedem Einzeltitel verbirgt sich eine auf Mausklick abrufbare Kurzbesprechung aus dem "Lexikon des Internationalen Films" sowie die Möglichkeit, weitere Filmographien all jener Mitwirkender abzurufen, deren Namen rot markiert werden, wenn die Maus über sie fährt. So weit, so rudimentär.

Sucht man statt Kevin Costner nach dem Begriff Steven Spielberg, findet sich ein Artikel über Spielbergs Film "E. T." aus dem Jahr 1982, der versucht, mit wenigen, vermutlich nachträglich angefügten Zeilen den unbeholfenen Bogen zu "Schindlers Liste" zu spannen.

Das "Lexikon" benutzt als Quelle seiner circa 370 Artikeleinträge die Zeitschrift Filmdienst sowie das Buch "Spuren des Religiösen im Film". Eine redaktionelle Aufarbeitung des elektronisch recycelten Materials hat offenbar nur ansatzweise stattgefunden, was im Falle von Spielberg mehr als peinlich ist.

Ein Kinobetreiber, der während der Europameisterschaft den Fußball-Witwen und -Waisen Preisgekröntes fürs Herz bieten will, kann sich der Suchfunktion des "Lexikons" bedienen, die als ein "ausgefeiltes Werkzeug für die professionelle Recherche" angepriesen wird. "Sie werden sie nur dann benutzen, wenn Sie mit den einfachen Suchmöglichkeiten im Multimedia-Teil . . . nicht mehr auskommen", liest man in der beiliegenden Broschüre und fragt sich, ob sich der Verlag damit für die wenig intuitive Bedienungsart dieser Funktion entschuldigen will.

Doch ist der Benutzer erst einmal dahintergekommen, wie er die Eingabefelder füttern soll und die Informationen hinterher angezeigt bekommt, dann kann er sich mit den Suchkriterien "Liebesfilme" und "Auszeichnungen" eine Auswahl von 84 Titeln anzeigen lassen, die es in sich hat. Von "A Star is Born" bis "Zu schön für dich", von "Casablanca" bis "Dirty Dancing" reicht die Palette der mit Oscars, Bären, Löwen oder Palmen ausgezeichneten Filme. Auch wer die ausgetretenen Pfade verlassen und seine Liste nach "exotischeren" Kriterien wie Drehbuchautoren oder Komponisten sortieren will, kann das im "Lexikon" tun.