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Bugs Bunny beim Abendbrot

Und draußen? Draußen tauchen seltsame Vögel mit rötlichem und blauschwarzem Gefieder ihre Schnäbel in den Wassergraben, der den Park umschließt, und subtropischer, blaßgrüner Laubwald zieht sich die Hügel hinauf ins Landesinnere. Von fern rauscht der Stille Ozean. Auf einem Schild an der schnurgeraden Schnellstraße, die das Meer von den Bergen trennt, steht "Sydney 958 km - Brisbane 71 km".

Was mache ich hier?

Die Antwort liegt in Bottrop. Vor vier Jahren beschloß die Firma Warner Brothers, das derzeit - hinter dem Disney-Tochterunternehmen Buena Vista - zweitgrößte und zweiterfolgreichste der großen Hollywoodstudios, in Deutschland einen Freizeitpark zu errichten. Die Wahl des Standorts fiel auf ein Gelände in der Nähe von Bottrop-Kirchhellen, einer kleinen Vorstadt am nördlichen Rand des Ruhrgebiets, die verkehrsgünstig direkt an der Autobahn Bottrop-Emden liegt. Das Gelände war bereits teilweise erschlossen - durch einen Filmpark der Münchner Studiofirma Bavaria. Aber der Bavaria waren die Besucher ausgegangen. Sie gab ihren Betrieb auf, und Warner stieg ein.

Die Firma Warner hatte gute Gründe für ihre Entscheidung. Zum einen konnte sie über beinahe unbegrenzte Finanzmittel verfügen - die Mittel des Time-Warner-Konzerns, des größten Medienunternehmens der Welt, das 1989 aus der Vereinigung des Warner-Imperiums (Filmstudios, Kinos, Plattenfirmen) mit der Time-Life-Gruppe (Zeitschriften, Zeitungen, Fernsehsender) entstand. Zum anderen fand Warner in Nordrhein-Westfalen eine besonders investorenfreundliche Landesregierung vor, die zu der Konzern-Investition von knapp 330 Millionen Mark noch einmal 62 Millionen dazulegte. Und schließlich bot der Standort Bottrop, an der Peripherie des größten europäischen Ballungsraums, einleuchtende Vorteile: zwanzig Millionen potentielle Besucher im Hundertkilometerumkreis, dazu ein perfekt ausgebautes Straßenund Schienenwegenetz.

Vor allem aber hatte die Weltmacht Warner just zu dem Zeitpunkt, da sie in Bottrop ihre Fahne aufpflanzte, bereits das erste ausländische Freizeitpark-Territorium erobert - mit der "Warner Movie World Australien", ebenfalls auf dem Gelände eines bankrotten Vorgängers plaziert, ebenfalls mit Hilfe großzügiger Staatszuschüsse erbaut, ebenso wie die Bottroper Filiale am Rande eines (wenn auch kleineren) Ballungsgebiets gelegen.