REGENSBURG. - Der Maler Blalla W. Hallmann und der Kunsthistoriker Lutz Tittel sind unzweifelhaft Vertriebene im Sinne des Gesetzes und gehören darum schon satzungsgemäß ins Regensburger Museum Ostdeutsche Galerie, das den Künstlern aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa vorbehalten ist: Tittel wurde 1943 im damaligen Ostpreußen geboren und Hallmann 1941 im damaligen Niederschlesien.

Doch eine Hallmann-Ausstellung vom Februar in der Ostdeutschen Galerie ist schuld - davon sind trotz Dementis in Regensburg viele überzeugt -, daß der Direktor des Museums, Lutz Tittel, erneut vertrieben werden soll. Maler Hallmann hatte in der Ausstellung keinen Hehl aus seinem Vertriebenenschicksal gemacht - mit Bildern etwa wie "Heim mir reicht's" und einem Lebenslauf in Linolschnitten, der sein Leben als "Flüchtlingsjunge" in Bayern nachzeichnet.

Der Aussiedler setzte aber auch die große Tradition seiner neuen bayerischen Heimat fort. Er malte Hinterglasbilder mit den gleichen Motiven, wenn auch etwas anders als in Oberammergau. Hallmann nahm den Stil der Erlebniskathedralen in den Walt-Disney-Parks auf. Er zeichnete Christus und die beiden Schächer als Mickymaus-Figuren an ihren Kreuzen. Überschrift: "Es ist vollbracht". Und er setzte die heilige Dreieinigkeit im Stil unserer Zeit künstlerisch in eine Dreiphalligkeit um.

Der sicherlich auf seine Weise sachverständige stellvertretende Regensburger Polizeidirektor Wolfgang Mache sah solche Bilder "durch den Kunstbegriff nicht mehr gedeckt". Nur die im Februar noch regierende SPD-Oberbürgermeisterin Christa Meier hielt den Polizeidirektor im Zaum. Schließlich hatte selbst die Bayerische Staatszeitung das "exzellente Können", die "erschreckende Aktualität" und den "aufklärerischen Humanismus" Hallmanns gewürdigt.

Als bei den Kommunalwahlen im März Hans Schaidinger, der Kandidat der CSU, siegte, sah alles etwas anders aus. Der neue Oberbürgermeister hatte schon vor seiner Wahl angekündigt, die Kunst habe zu wissen, daß sie "auf religiöse Gefühle auch Rücksicht nehmen muß". Also schritt die Staatsanwaltschaft nach dem Ende der Ausstellung energisch gegen die Vaginen und Phalli ein. Sie ermittelt gegen Hallmann wegen "Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgemeinschaften und Weltanschauungsgemeinschaften". Und Museumsdirektor Tittel, der vor allen der Ostdeutschen Galerie zu internationalem Ansehen verholfen hat, sah sich plötzlich vom Stiftungsrat vor die Tür gesetzt: Kündigung zum 30. Juni "aus betrieblichen Gründen". Dazu sofortiges Hausverbot, das freilich Anfang April vom Arbeitsgericht erst einmal aufgehoben wurde.

Gegen Tittel lauten die Vorwürfe nicht auf Religionsbeschimpfung, sie sind ernsthafter Art. Im Ausstellungskatalog hatte der Museumsdirektor geschrieben: "Fröhlich werden Sexualität und Ausscheidungen thematisiert."