Der Streit um die Frage "Frauen in die Armee?" ist fast so alt wie die Bundeswehr selber. Und er war stets bizarr, geht er doch an die Wurzeln des Verständnisses vom männlichen und vom weiblichen "Wesen". Erst seit 1975 gibt es weibliche Sanitätsoffiziere (Ärztinnen und Apothekerinnen), 1994 wurde die erste Frau zur Generalin im Sanitätsdienst der Luftwaffe befördert. 1978, der männliche Nachwuchs wurde knapp, sondierte Hans Apel, sozialdemokratischer Verteidigungsminister, vorsichtig: "Alle Nachbararmeen haben doch auch Frauen in Uniform." Und sein Wehrbeauftragter Willi Berkhan spekulierte: "Für die neunziger Jahre muß sich der Bundestag möglicherweise mit einer Grundgesetzänderung beschäftigen." So ist es. Auf jeden Fall dann, wenn aus der Wehrpflichtigen- eine Berufsarmee werden sollte.

"Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen", fordert Artikel 12 des Grundgesetzes - um sogleich in Artikel 12 a barsch einzuschränken: Frauen "dürfen auf keinen Fall Dienst mit der Waffe leisten". Die Begründung damals: ". . . unsere Auffassung von der Natur und der Bestimmung der Frau verbietet einen Dienst mit der Waffe."

So chauvinistisch wagt heute natürlich keiner mehr zu sprechen.

Und weibliche Grüne etwa argumentieren völlig anders gegen die Berufschancen von Frauen bei der Bundeswehr. Sie wollen an patriarchaler Männergewalt nicht teilhaben und fordern eine antimilitaristische Politik. Schön und gut, doch nur darum geht es: Das Recht, sich für oder auch gegen eine Tätigkeit zu entscheiden, muß jeder und jede haben. Berufsverbote gehören abgeschafft. Jener Satz aus Artikel 12 a muß fallen, sonst bleiben Frauen nur Hilfsfunktionen vorbehalten, in Führungspositionen könnten sie niemals aufsteigen.