Schlußpfiff, aus, vorbei: Die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die gerade die Fußballeuropameisterschaften in England mit großem Erfolg - sprich: hohen Einschaltquoten - auf die Bildschirme gebracht haben, müssen sich von den Weltmeisterschaftsturnieren im kommenden Jahrtausend verabschieden - ausgeschieden schon in der Qualifikation.

Stattliche 2,3 Milliarden Schweizer Franken hatte die European Broadcasting Union (EBU) , die für sämtliche öffentlich-rechtlichen Stationen von West- und Osteuropa über Südamerika und Afrika bis Nah- und Fernost die Verhandlungen führte, für die weltweiten Fernsehübertragungsrechte der WM-Turniere 2002 und 2006 geboten - zuwenig.

Der Weltfußballverband Fifa wollte mehr. In der vergangenen Woche vergab er die begehrten Rechte anderweitig - und kassierte die gigantische Summe von 2,8 Milliarden Franken (umgerechnet: 3,4 Milliarden Mark). Schütze des golden goal: der Spieler Kirch. Mit seinem Angebot - 1,3 Milliarden Schweizer Franken für die WM-Runde 2002 in Japan und Südkorea und 1,5 Milliarden für das Turnier in einem noch zu bestimmenden Land (unter den potentiellen Bewerbern: Deutschland und England) - hat der Münchner Multimedien-Mogul Leo Kirch seinen Fuß zum ersten Mal ins internationale Sportgeschäft geschoben. Dabei hat er den auf diesem Gebiet bisher unangefochten führenden öffentlich-rechtlichen Sendern eine empfindliche Schlappe zugefügt.

Denn Kirch kam nicht allein: Sein Partner im Kampf um die Fußballrechte ist die Schweizer Holding Sporis AG, die den Erben von adidasGründer Adi Dassler gehört. Sporis wiederum besitzt die Mehrheit an der Sportvermarktungsagentur ISL, die seit vielen Jahren der Fifa verbunden ist und bisher Partner der EBU war (siehe Kasten). Seit zwei Jahren sind die Schweizer Sportvermarkter auch in den Handel mit TV-Rechten eingestiegen. Wichtiges Know-how und wichtige Kontakte für Kirch, der sich bisher vor allem im internationalen Filmgeschäft auskennt. Nun, so scheint es, will der wohl einflußreichste Medienmann der Bundesrepublik auch das Sportgeschäft dominieren.

Viel Geld ("Alles durch unwiderrufliche Bankgarantien abgesichert", wie Fifa-Sprecher Andreas Herren feinsinnig erklärt) und beste Beziehungen bescherten folgerichtig der Gruppe Sporis/Kirch den Zuschlag. Bei der entscheidenden Abstimmung im Fifa-Exekutivkomitee fehlte ausgerechnet der Vertreter des mitgliederstärksten Landesverbandes: Gerhard Mayer-Vorfelder, Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes, hatte offenbar Wichtigeres zu tun. Der baden-württembergische Finanzminister präsentierte derweil die Stuttgarter CDU-Oberbürgermeisterkandidatin. Jetzt möchte er am liebsten nachbessern - doch vorerst wehrt die Fifa Revisionswünsche ab.

Bitter für die EBU, immerhin seit 24 Jahren Partner der Fifa, sie wurde bisher von den Fußballmanagern nicht einmal informiert. Albert Scharf, Intendant des Bayerischen Rundfunks und seit vielen Jahren EBU-Präsident: "Das habe ich wie alle anderen aus den Nachrichten erfahren."