Christoph Bertram: "Der Riese grollt"

Kurt Brandenberger: "Tibet", ZEIT Nr. 27

Die politische Führung in China ist sich in der Tibet-Frage nicht so einig, wie sie es nach außen demonstriert. Es gibt auch Kräfte, die eine Respektierung der tibetischen Kultur favorisieren. Allerdings werden solche Positionen nicht offen geäußert, denn keiner weiß, wie die Linie nach dem Tod Dengs sein wird. Die harschen Reaktionen aus Peking auf die Initiativen der vergangenen Wochen haben gezeigt, wie sehr China auf die Reputation im Ausland achtet. Es besteht also die Hoffnung, daß derartige Aktivitäten bei einer Neuordnung in Peking dazu beitragen, daß sich die versöhnliche Linie durchsetzt.

Klemens Ludwig (Tibet Initiative

Deutschland e. V.), Essen

Wenn "der Riese grollt", darf nicht ein Schweigen und Gehorchen die Antwort sein. Im Gegenteil: Wo auch immer Menschenrechte, die universellen Rechte auf Würde und Freiheit, mit Füßen getreten werden, muß gehandelt werden. Der Dalai Lama hat in seinen Ansprachen im Thomas-Dehler-Haus der FDP am 14. Juni 1996 und im Bonner Wasserwerk des Deutschen Bundestages am 15. Juni unmißverständlich versichert, daß es ihm und seinen Mitstreitern um kulturelle Autonomie geht und nicht um separatistische Absichten. Die territoriale Integrität Chinas in Frage zu stellen war zu keiner Zeit Anliegen der Tibet-Konferenz, weder auf seiten der Friedrich-Naumann-Stiftung noch auf seiten der tibetischen Exilregierung. Der Dalai Lama fordert nicht die staatliche Abtrennung von China, sondern besteht auf dem Dialog, den Deng Xiaoping 1979 vorgeschlagen hat. Dieser Dialog ist dringend nötig, um das kulturelle Erbe Tibets zu bewahren. Die Vertreter der 164 Tibet-support groups haben deshalb eine Strategie erarbeitet, die ein gemeinsames Vorgehen ermöglicht - zur Wahrung der tibetischen Kultur, Sprache und Religion.

Rolf Berndt (Friedrich-Naumann-

Stiftung), Königswinter