Karl Paryla, der am Sonntag in seiner Heimatstadt Wien neunzigjährig starb, war - neben Otto Tausig - der letzte große Lebende aus jenem Kreis um Bertolt Brecht und Wolfgang Langhoff, der während der Nazidiktatur im Zürcher Schauspielhaus zusammengefunden hatte.

Unter anderem spielte Paryla in den Uraufführungen von "Mutter Courage und ihre Kinder" (als Schweizerkas) und "Der gute Mensch von Sezuan". Nach Kriegsende versuchten die österreichischen Zürcher Exilanten - darunter Wolfgang Heinz, Tausig, Paryla und sein Bruder Emil Stöhr - einen Neubeginn, den sie gleichermaßen als Fortsetzung ihrer antifaschistischen Theaterarbeit verstanden. In Wien gründeten sie das "Neue Theater in der Scala", wo auch Brecht zum einzigen Mal in Wien inszenierte. 1956 jedoch, nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht, ging die KP-finanzierte Scala - in der Bevölkerung als "Russentheater" stigmatisiert - pleite. Langhoff holte die "Zürcher" ans Deutsche Theater Berlin, und für Paryla begann von neuem ein Leben aus dem Koffer - es gibt wohl kein großes deutschsprachiges Schauspielhaus, an dem er nicht wirkte, als Schauspieler wie zunehmend als Regisseur. Es dauerte, bis er in Wien wieder richtig Fuß faßte.

Und bis er wieder dort tätig war, wo er vor 1938 als Schauspieler unter Max Reinhardt seine "glücklichsten Jahre" verbrachte: im Theater in der Josefstadt. Dort inszenierte er noch 1990 "Kabale und Liebe". Seine letzte Regiearbeit aber war eine Uraufführung: Wolfgang Bauers "Die Kantine" in Graz. Auch das spricht für seine unersättliche Neugier.