Das Problem ist doch nicht, daß Deutsche ins Ausland verreisen - das Problem ist, daß sie wiederkommen . . . Wie gut das tut, sie Frau, Hund, Kind und Koffer zusammenraken zu sehen. Selbst ihre dummen Autos mag man plötzlich - sie werden ja zur Abreise beladen. Niemals sind die Gefühle, die ich meinen Landsleuten gegenüber hege, zärtlicher, als wenn ich ihnen zum Abschied hinterherwinken kann. - Humanistisch gesonnene Mitmenschen könnten hier einwenden, meine Motive seien egoistischer Natur für mein bißchen Ruhe vor den Deutschen müßten Tausende von Spaniern, Griechen, Franzosen usw. bitterlich leiden. Ja, das ist wahr, und das Los dessen, der den Deutschen das Wirtstier machen muß, ist unbestritten ein schweres. Aber erstens ist diese Traglast immer nur von kurzer Dauer, und zweitens kriegt's der vom Deutschen ungefragt zum Gastgeber bestimmte Spanier, Grieche, Franzose usw. doch immerhin bezahlt - während ich die Deutschen die restlichen zehn bis elf Monate des Jahres wieder komplett an den Hacken habe, und zwar ohne jede finanzielle Entschädigung.

Wiglaf Droste in der "taz" vom 16. Juli