Der Deutschen geliebtester Dichter, William Shakespeare - war er selber ein Deutscher? Seit Äonen wuchern wild die Spekulationen, wer sich hinter dem Namen des Mannes verborgen hält, der angeblich 1564 im englischen Stratford upon Avon geboren ward. Doch stets schon fühlte im Innersten ein jeder seiner deutschen Leser: Er ist unser! Eine Vermutung, nein, eine Gewißheit, die sich aufs Bewegendste bestätigt, blättert man in dem kleinen Buch "Shakespeare Sechsundsechzig - Variationen über ein Sonett", das Ulrich Erckenbrecht jetzt herausgegeben hat. Achtundachtzig (Rück-?)Übersetzungen allein des Sonetts Nr. 66 hat er in langen Jagdzügen durch das deutsche Schrifttum aufgespürt und hier zur Strecke gebracht.

Neben den bekannten Überträgern Johann Joachim Eschenburg und Dorothea Tieck, Stefan George und Karl Kraus finden sich auch überraschendere Namen - Emil Ludwig, Johannes Schlaf, Erwin Chargaff - und fast vergessene: Ludwig Fulda, Otto Gildemeister, Wilhelm Jordan, Gottlob Regis. Auch ganz neue Proben, der Herausgeber stand dabei nicht zurück. Shakespeares Gesamtwerk, schreibt er in seiner trefflichen Einleitung, umfasse laut Computerzählung circa 888 000 Wörter davon entfallen 88 auf das Sonett Nr. 66.

Aber dieses Zehntausendstel enthalte in nuce den ganzen Shakespeare: "Sonett Nr. 66 ist die Nationalhymne aller vaterlandslosen Gesellen, das geheime Erkennungszeichen aller freien und versierten Geister."

Und, so dürfen wir hinzufügen, war je ein Volk freier und versierter und vaterlandsloser als das deutsche? Welcome home, Willi! Aber prüfen Sie selbst: "Shakespeare Sechsundsechzig", herausgegeben von Ulrich Erckenbrecht Muriverlag, Im Weidengarten 19, 34130 Kassel 199 Seiten, 10 Mark.