Schon vor Wochen war es mutig, was Jeffrey Erickson öffentlich zu Protokoll gab. "Ich erinnere daran, daß unser Name weltweit am bekanntesten ist", sagte der Chef von Trans World Airlines (TWA) und fügte hinzu: "Das ist etwas, worauf man bauen kann."

Es stimmte damals schon nicht. Und auch nach dem Absturz einer ihrer steinalten Boeing 747 hat TWA im Bekanntheitsgrad zwar alle anderen amerikanischen Fluggesellschaften abgehängt, aber das Image des Kürzels ist unansehnlich geblieben, auch wenn - was Erickson und seine Managerkollegen hoffen müssen - ein Attentat sich als Ursache bestätigen wird. Alles andere würde wohl das Ende von TWA bedeuten.

TWA steht seit langem für hohe Verluste und alte Flugzeuge. In den vergangenen zehn Jahren überstand die Airline, welche ihre Glanzzeiten ebenso wie die 1991 vom Markt verschwundene PanAm vor dem Zweiten Weltkrieg und kurz danach hatte, nur knapp zwei Bankrottverfahren nach Chapter 11 und mußte in diesen Krisen mehr als drei Milliarden Mark Verlust hinnehmen. Geld für neue Flugzeuge war deshalb rar, also wurden die alten Maschinen weiter geflogen.

Ergebnis: Die TWA-Flotte hat ein Durchschnittsalter von nahezu 20 Jahren - das höchste aller amerikanischen Airlines. Für die Sicherheit muß das nicht notgedrungen Negatives bedeuten, aber für die Kosten, denn altes Fluggerät verbraucht mehr Kerosin und erfordert mehr Wartung.

TWAs Probleme begannen mit der Open-sky-Politik von US-Präsident Jimmy Carter, der die Monopole am Himmel aufbrach. Neue finanzstarke Konkurrenten wie American, United und Delta machten fortan den angestammten Carriern das Leben schwer. Richtig in Schwierigkeiten geriet TWA, als sich der Financier und Firmen-Raider Carl Icahn 1986 einkaufte und den Steuerknüppel übernahm. Er bürdete der Fluggesellschaft hohe Schulden auf, um andere Geschäfte zu finanzieren, zettelte harte und teure Arbeitskämpfe an und versuchte vergeblich, für die in St. Louis beheimatete TWA ein zweites Drehkreuz in Atlanta zu etablieren.

Icahn, der auch die ins Trudeln geratene PanAm übernehmen wollte, aber dabei scheiterte, brauchte ständig Cash für seine weitgefächerten Interessen. Nach dem Börsencrash im Oktober 1987 erwarb er beispielsweise für rund eine Milliarde Dollar ein Aktienpaket des Ölkonzerns Texaco. Um die Mittel dafür lockerzumachen, verkaufte Icahn bei TWA, was zu verkaufen war: Anteile an Reservierungssystemen, Flugzeuge und Ersatzteile, die anschließend zurückgeleast wurden, sowie Streckenrechte. Der dickste Deal dieser Art ging Ende 1990 über die Bühne, als TWA sechs Routen von den USA nach London für 660 Millionen Mark an American Airlines abgab und sich für weitere 100 Millionen Mark von Bodenanlagen sowie Start-und-Lande-Rechten in Chicago trennte.