Die Theaterwochen von Pale sind schneller zu Ende gegangen als von Regisseur und Hauptdarsteller Radovan Karadzic geplant. In seiner Inszenierung "Camouflage" hatte er die verschlungene Handlung in der Serbischen Republik durch eine "stellvertretende Präsidentin" ferngelenkt. Das Stück wurde jetzt in Gesprächen zwischen dem amerikanischen Unterhändler Holbrooke und dem serbischen Präsidenten Milosevic abgesetzt. Nicht alle haben das gewollt. Der Koordinator für den Wiederaufbau Bosniens, Carl Bildt, war von der Inszenierung durchaus angetan und warnte vor zu starkem Druck auf Karadzic.

Die britische Regierung tat es ihm gleich. Doch Amerikaner und Deutsche konnten das Stück nicht ausstehen. So platzte das Festival von Pale.

Radovan Karadzic hat schriftlich versichert, sich von allen politischen Ämtern und dem bosnischen Medienzirkus zurückzuziehen. Nach Pale, in sein Landhaus - nicht nach Den Haag vor das Kriegsverbrechertribunal.

War das Teil des Geschäfts zwischen Holbrooke und Milosevic? Es ist unwahrscheinlich, daß sich Holbrooke darauf einließ. Offenbar ist jedoch, daß außer den emsigen Anklägern in Den Haag sonst niemand im Westen derzeit großes Interesse hat, Karadzic durch einen Ifor-Marsch auf Pale festnehmen zu lassen. Die Nato-Regierungen scheuen Zinksärge und einen Wahlboykott der Serben. Derartige Pannen will vor allem die Clinton-Administration vermeiden, denn zwei Monate nach den Bosniern wählen die Amerikaner ihren Präsidenten.

So kann Karadzic also in den nächsten Wochen unbehelligt die Saiten seiner Gusle zupfen - als Privatmann in seiner Villa - und so ganz nebenbei seinen Nachlaß ordnen. Denn privat heißt nicht aller Potenz beraubt. Die gegen eine nicht immer folgsame bosnisch-serbische Armee aufgerüstete Polizeimiliz hört noch auf ihres Meisters Stimme.