Im Prinzip ist Bad Lauchstädt das, was man ein Nest nennt. Gelegen im Kreis Merseburg-Querfurt im südlichen Sachsen-Anhalt, schräg links neben Halle an der Saale, fast in Sichtweite der ehemaligen Chemiekombinate Leuna und Buna, schaukelnd zu erreichen über schmale Straßen mit einer Windmühle, einem Aldi und gerade mal 4200 Einwohnern - ein Nest. Oder?

Doch in dem Nest gibt es dreierlei: Das Bad Lauchstädter Heilwasser, die historischen Kuranlagen samt Theater sowie einen Namen, ach was, den Namen schlechthin: Goethe. Vor allem seinetwegen strömen jährlich mehr als 200 000 Menschen nach Bad Lauchstädt. Beispielsweise die sechzehn Damen eines Rentnertreffs, die heute aus dem benachbarten Hohenweiden angereist sind. Mit zwei Taxibussen, das ist gar nicht so teuer, sagen sie, etwa 25 Mark kostet die einfache Fahrt, macht hin und zurück fünfzig Mark, macht also mit zwei Bussen hundert Mark, ungefähr. Hundert Mark durch sechzehn, das geht, finden die Damen und warten darauf, daß der Rundgang durch die historischen Kuranlagen und das Goethe-Theater beginnt.

Und zwar dort, wo alles anfing: Darum schart Gabriele Kühn, Mitarbeiterin der Kuranlagen, den Trupp um die Quelle, aus der das Lauchstädter Heilwasser sprudelt. Aber, pst, es handelt sich zwar exakt um die Stelle, an der das Heilwasser zum ersten Mal entnommen worden war, aber es ist nicht die Originalquelle, die sprudelt, sondern ordinäres Leitungswasser.

Zum ersten Mal sprudelte es zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Ein merkwürdiges Tröpfchen, das der Geheime Rat Friedrich Hoffmann, "Doktor und Professor der Arzneigelahrtheit" in Halle, untersuchte: Die Fische schwammen kieloben, aber der Mensch wurde gesund davon.

Nach ausgiebiger Prüfung verfaßte Hoffmann einen kurzen, doch gründlichen "Bericht von der herrlichen Krafft und dem nützlichen so wohl innerlichen wie äußerlichen Gebrauch des Lauchstädter Martialischen Gesund-Brunnens" und stellte fest, "daß es ein gesund Wasser sei, welches in vielen sonderlich langwierigen Krankheiten als Fiebern, Geschwulst, Bleichsucht bei den Frauenzimmern etc., insbesonderheit aber äußerlich als ein Bad, zu Stärkung der schwachen Glieder, mit nicht geringem Nutzen würde können gebraucht werden".