Am 5. Juni 1962 wurde Algerien nach einem achtjährigen blutigen Befreiungskrieg gegen die französische Kolonialmacht unabhängig.

Fast dreißig Jahre regierte die Einheitspartei FLN, die Nationale Befreiungsfront. Mit einer mißglückten Agrarrevolution und dem forcierten Aufbau einer Schwerindustrie führte sie Algerien in eine tiefe ökonomische Krise. Im Oktober 1988 explodierte die Wut der Bevölkerung. Nach tagelangen Auseinandersetzungen zwischen den aufgebrachten Jugendlichen und der Armee, die um die 400 Tote forderten, gab die FLN unter Chadli Benjedid nach und versprach die Einführung der Demokratie. Das Einparteiensystem zerfiel, Parteien und Pressefreiheit wurden zugelassen.

Mit dem Slogan "Der Islam ist die Lösung" wurde die FIS, die Islamische Heilsfront, zum Hoffnungsträger der Hoffnungslosen. Sie stellte die Moscheen unter ihre Kontrolle und verfügte damit über einen Ort, wo sie im Namen des Islam hemmungslos Kritik an der Regierung üben konnte. Im Januar 1992 brach die Armee die ersten freien und demokratischen Wahlen ab und rief den Notstand aus, um einen Wahlsieg der FIS zu verhindern und ihrer Machtübernahme vorzubeugen.

Die FIS wurde verboten, ging in den Untergrund und zerfiel in mehrere Gruppen, deren gewalttätigste, die GIA, die Bewaffnete Islamische Gruppe, für die meisten Morde, unter anderem an Ausländern und Frauen, verantwortlich ist.

Seitdem teilt sich die algerische Gesellschaft in sogenannte réconciliateurs und éradicateurs, "Versöhnler", die einen Kompromiß mit der FIS befürworten, und "Ausrotter", die ihn ablehnen. Viele Frauen zählen zu den letzteren.