Franz Anton Maulbertsch (1724-1796), dessen 200. Todestag in diesem Jahr gefeiert wird, gilt als der bedeutendste Vertreter der ausgehenden österreichischen Barockmalerei, die sich in ihm vollendet und schließlich überlebt hat. Daß man ihn, eine Erscheinung von europäischer Statur, weniger gut kennt als zum Beispiel Tiepolo, liegt an seinem Tätigkeitsfeld. Er hat vor allem an der Peripherie des Habsburgerreichs gearbeitet, in Klöstern und Residenzen Mährens, der Slowakei und des westlichen Ungarns.

In Österreich selbst hatte die Zentralisierung der Staatsmacht die Repräsentationssucht des Hochadels und der mächtigen Klöster bereits eingeschränkt. Verinnerlichte, zunehmend aufgeklärte Frömmigkeit begann den Kirchenpomp abzulösen. Maulbertsch war hauptsächlich für die der Seelsorge dienenden Orden tätig, als Erzeuger von Illusionen, aber auch von bunter Diesseitigkeit.

Stoffwechsel heißt sein Zauberwort. Nicht nur in der Regenbogenpalette und den Gewändern als irrisierenden Farbhäuten. Sondern auch im Materiellen dieser Kunst: Kalk, Sand, Pigmente, das, worin angerührt und gemischt, das, womit aufgetragen, verrieben und gestrichen wird im Wechsel von flüchtiger und intensiver Pinselführung. Immer das Ganze der Komposition im Blick, doch auch verzogene, verkürzte Details vor Augen, locker und zugleich bestimmt, wenn es galt, die Einzelheiten der Helfer dem eigenen Fluß zu integrieren, als Argumente in die malende Beredsamkeit einzubeziehen.

Der Akt des Malens vollzieht sich in der Spanne - und Spannung - zwischen naß zu haltendem Putz und Pigment und der sich rasch konkretisierenden Imagination, geführt von den Leitlinien des durchpunktierten Entwurfs. Maulbertschs Arbeit dünkt uns Heutigen spontan und aufgelöst wie Action-painting, ist aber eingespannt in Tagesportionen (giornate) und die Logistik einer mit Kisten und Kasten beladenen Wanderkolonne von Gerüstbauern, Gipsern, Polierern, Farbenpräparatoren und Fachmalern. Oft wurde das Programm umgestoßen durch Wetterwechsel und Salzausblühungen an feucht werdenden Decken, wogegen, wie auch gegen die Gliederstarre der Arbeitermaler, man anheizte - was alles sich in Maulbertschs Korrespondenz mit seinen Auftraggebern niederschlägt.

Eine solche fliegende Kolonne führte ihre Geräte mit sich und richtete sich, vertraglich abgesichert, monatelang, bei großen Aufträgen von Frühjahr bis Herbst, häuslich vor Ort ein. Der Maler ißt "an der Probstey"-Tafel mit, während die ihm assistierenden Künstler und die Gehilfen "gewöhnliche Hausmannskost" erhalten.

Was aus alledem entsteht, ist wie der Traum vom Fliegen in einem farbsinnlichen, heiteren Klima der Licht- und Raumwunder. Aus der Abstraktion eines schmalen Farbenkanons (ein Dutzend Erdtöne, dazu Marmor- und Kalkpulver, Kobaltmalte und, eigens verrechnet, Lapislazuliblau und Goldhöhung) wird die Natur durch Mischung weniger Pigmente ans Firmament transponiert. So wie die zeitgenössische Chemie enthusiastisch mit immer anderen Verbindungen von Elementen experimentiert, so probiert Maulbertsch das Spektrum nach nie gesehenen Farbklängen durch und gelangt zu einer neuen Natürlichkeit der Kunst.