ZEIT: Herr Scharping, alle reden von der Krise des Sozialstaates, der als Rundumversorger für alle Lebenslagen die Grenzen seiner finanziellen Belastbarkeit überschritten hat. Muß der Staat sich künftig mehr zurücknehmen?

Scharping: Zunächst: Der Sozialstaat ist nicht Rundumversorger für alle Lebenslagen. Er soll Sicherheit und Würde gegen die großen Lebensrisiken von Alter, Krankheit, Pflege und Arbeitslosigkeit bieten, gegen die sich der einzelne nicht wirksam absichern kann.

Allerdings ist der Sozialstaat oft bürokratisch überfrachtet.

Dagegen helfen mehr Eigenverantwortung, solidarische, zum Beispiel genossenschaftlich organisierte Sicherung. Das entspricht sozialdemokratischer Tradition.

ZEIT: Heißt das, daß Sie stärker auf die Eigeninitiative des einzelnen setzen?