Es genügt, in Krakau dieses eine Wort zu sagen - Piwnica -, und schon weiß jeder, was gemeint ist: jenes kleine . . . Ja, was?

Kabarett? Kellertheater? Jedenfalls: ein Ort, der durch unverwechselbare Atmosphäre, durch oft bis in die Morgenstunden dauernde, zu schallendem Gelächter wie zu Tränen rührende Programme nun schon die dritte Generation bezaubert. Ein schmuddeliger Ort, dunkel und kaum hundert Menschen Platz bietend, der in den vergangenen vierzig Jahren Schauplatz unzähliger Feten, Vernissagen und Bälle war. Ein Ort, der zur Legende wurde. In diesem Jahr ist Jubiläum.

Es war im Jahr des politischen Tauwetters, 1956, als eine Gruppe von Kunststudenten den ungenutzten Keller des ehrwürdigen Palac Pod Baranami, des "Palais zu den Widdern", in Krakau für sich entdeckte. Die jungen Dichter und Musiker krempelten die Ärmel hoch und entrümpelten den verwahrlosten Raum. Obwohl unbeheizt und dürftig eingerichtet, wurde Piwnica Pod Baranami, der "Keller zu den Widdern", in kurzer Zeit zum Geheimtip der Bohemiens.

Ursprünglich hatte man gar nicht an ein Kabarett gedacht, eher an einen Klub, einen Ort, wo man unter sich sein konnte. Denn offiziell gingen die Parolen des sozialistischen Realismus um.

Doch für die Krakauer Studenten galten andere Zauberworte: Paris, Existentialismus, Juliette Gréco, schwarze Pullover, Jazz. Immer öfter brachte jemand Texte mit, um sie seinen Freunden im Keller vorzutragen die satirischen kamen natürlich am besten an. Bis eines Tages die Idee des Kabaretts geboren war. Am 16. Dezember 1956 wurde auf der aus Kisten und Stühlen improvisierten Bühne das erste Programm gespielt. Sein Titel: "Polnischer Nationalstall".