Seit April tagt die "Kommission für Wahrheit und Versöhnung" an wechselnden Schauplätzen in Südafrika, um die Verbrechen im Kampf für und gegen die Apartheid zwischen 1961 und 1993 aufzuklären.

Die öffentlichen Anhörungen verfolgen zwei Ziele: Die Opfer von Menschenrechtsverletzungen sollen sich von der Last ihrer Erinnerungen befreien können. Die Täter können, wenn sie ein glaubwürdiges Geständnis ablegen, einen Freispruch erreichen. Statt "Nürnberger Prozessen" also Vergangenheitsbewältigung durch Versöhnung. Das Leitmotiv der Wahrheitssuche sei Vergebung statt Vergeltung, sagt Erzbischof Desmond Tutu, der Vorsitzende der siebzehnköpfigen Truth Commission. Allerdings können Verbrechen, denen rein kriminelle Motive zugrunde liegen, an Strafgerichte weiterverwiesen werden.

Manche Täter reden daher von einer Hexenjagd, während viele Opfer befürchten, daß die Kommission nur Persilscheine ausstelle. Maximal zwei Jahre soll der historisch einzigartige Versuch einer kollektiven Selbsttherapie dauern. Diese Woche tagt das Gremium in Soweto, der schwarzen Township vor Johannesburg, wo vor zwanzig Jahren der Aufstand gegen die Apartheid ausbrach.