Den Wahnsinn der Städte hinter sich lassen, ach! Fortwährend träumen alle davon. Sind wir dann tatsächlich draußen, überfallen uns Entdeckungen, so verwirrend, so unerklärlich, daß in uns die Fragen keimen wie die Feuerbohnen. Nur ein Beispiel: Rein rindermäßig gab es tatsächlich eine Zeit, als alles seine Ordnung hatte. Nehmen wir Nordrhein-Westfalen überaus bevölkerungsdicht, schon richtig, aber doch von eindrucksvoller Bäuerlichkeit. Wir sagen nur: Borchert!

Heereman! Aber zurück zu den Vierbeinigen, zum Einst.

Da stellte sich die Rinderkonfession so dar: Im Münsterland, dem traditionell katholischen, gab es ausschließlich rotbunte Kühe auf den Weiden. Wenig weiter südlich der Lippe, wo der protestantische Hellweg sich erstreckt, so weit das Auge blickt: schwarzbunte Kühe, ausgewogen graphisch verteilt, breiter Rahmen, das Flotzmaul tief in die fette Weide herabgesenkt, der Rücken eine Gerade, mit dem Horizont verschmelzend.

Überqueren wir die Ruhr, gelangen wir ins Sauerland mit seinen weißverputzten Kapellekens in tiefschwarzen Wahlkreisen. Die Menschen hier haben harte Köpfe und kennen keine Eile, und gegen Abend ziehen auch die Kühe mit ihren schweren Eutern gemächlicher als anderswo dem Stall entgegen. Welche Kühe? Rotbunte natürlich.

Von wegen - nichts ist natürlich! Aus Konfession wurde Konfusion.