Ein Knopfdruck auf die "Pilote"-Taste der Fernbedienung, und Familie Friocourt weiß, welche Bilder bei "Canalsatellite" über die Mattscheibe huschen. Pilote dient als Wegweiser durch die 25 Sender von Europas erstem digitalen Satelliten-Programmpaket. An diesem Sonntag abend stehen olympische Boxkämpfe, "Black Beauty", "Batman", die Schlußetappe der Tour de France, die "Affäre Al Capone", ein Indien-Dokumentarfilm und vieles mehr zur Wahl.

"Wir schauen jetzt viel gezielter fern als früher", fassen Nathalie und Patrick Friocourt drei Monate Digital-TV-Erfahrung zusammen. Das Ärztepaar aus dem französischen Loirestädtchen Blois sucht Sendungen bewußt aus - gewaltlose Zeichentrickfilme etwa im Kindersender Canal J für die Töchter Clementine, Lucia und Manon. Sport- und Kinofan Patrick checkt über Pilote täglich das Fußball- und Tennisprogramm auf Eurosport und das Spielfilmangebot auf Paris Premiére und Canal Jimmy. Nathalie orientiert sich bei ihrer Garderobe an den Wetterprognosen von La chaine météo und informiert sich auf dem Reisekanal Voyage über Urlaubsziele.

Von den fünf französischen Antennensendern hatten Patrick und Nathalie nie viel gehalten: unpünktliche Anfangszeiten, endlose Werbeblöcke, keine Spielfilme am Freitag- und Samstagabend. So zögerten die beiden nicht, als das Pariser Pay-TV-Unternehmen Canal Plus Ende April das digitale Satelliten-Fernsehpaket Canalsatellite lancierte.

Für das Basisangebot mit 25 Sendern zahlen die Friocourts monatlich 42 Mark - Miete für den Satellitendecoder Médiasat inklusive. Als einziges Extra abonnierte die Familie für weitere 46 Mark das beliebte Pay-TV-Programm Canal Plus - vergleichbar mit Premiere in Deutschland. Auf Optionen wie das Paket von fünf Spielfilmkanälen oder die Möglichkeit, Computerspiele per Satellit auf den Heim-PC zu überspielen, verzichtet die Familie bislang. Auch das Pay-per-view-System Kiosque, mit dem man Kinofilme für neun Mark pro Film abrufen kann, hat die Familie noch nie benutzt.

Doch allen Verlockungen der digitalen Fernsehwelt können auch die Friocourts nicht widerstehen. Patrick wird ab August für monatlich neun Mark zusätzlich die Konzerte auf dem Klassik-und-Jazz-Kanal Muzzik bestellen. Richtig groß wird die TV-Versuchung freilich erst im September. Dann beginnt Canalsatellite nämlich, wöchentlich alle Spiele aus Frankreichs erster Fußballiga gegen eine Gebühr von zwölf Mark pro Match live zu übertragen.

wp