Gleich zwei südkoreanische Konzerne sind in Frankreich auf Brautschau: Daewoo und Samsung interessieren sich für den weltweit zweitgrößten Hersteller von Fernsehapparaten Thomson Multimédia. Während der Unterhaltungselektronikriese im vorigen Jahr mehr als 350 Millionen Mark Verlust verbuchte und gut vier Milliarden Mark Schulden zu bedienen hat, bietet er attraktive Markennamen. Neben Thomson selbst würden auch Telefunken und Saba sowie die amerikanische Tochter RCA in die Ehe eingebracht. Über Nacht könnten die bislang in Europa wenig beachteten Koreaner auch im Westen zu den Großen aufsteigen. Soon-Hoo Bae, der Präsident von Daewoo, hat nun jedoch in einem Zeitungsinterview für den Fall einer Übernahme massive französische Staatsbeihilfen verlangt. Nur dann will er in Thomson investieren und 5000 Arbeitsplätze in Frankreich schaffen. Den roten Zahlen zum Trotz gilt Thomson dort als technologisches Schmuckstück.

Wie brisant die Thomson-Privatisierung ist, läßt auch die Umworbene selber erkennen, welche die südkoreanischen Anträge nicht kommentieren mag: "Da haben wir gar nicht mitzureden", heißt es kokett. "Das wird ganz oben entschieden, bei Chirac."

Bundeskartellamt in Berlin und Wettbewerbshüter in Brüssel haben zwar noch nicht entschieden aber die Verantwortlichen des spektakulären Coups scheinen sich ihrer Sache sicher. "Vereinte und Allianz künftig gemeinsam", verkünden ganzseitige Zeitungsanzeigen der Vereinten Versicherung, deren Zukunft nach langem Rätselraten offenbar geklärt ist: Die Vereinte, 1994 von der Allianz AG unter dem Vorbehalt europäischer Kartellwächter übernommen, fällt endgültig in den Schoß des Münchner Versicherungskonzerns. Der Coup im einzelnen: Zu der gekauften Gruppe gehören rund 75 Prozent an der Vereinten Kranken-Versicherung, die auf ihrem Markt in Deutschland Rang zwei einnimmt. Weil die Allianz außerdem die Mehrheit am deutschen Krankenversicherungsprimus DKV hielt, befürchteten die Wächter eine übergroße Macht auf diesem wichtigen Markt. Nach langem Hin und Her und Angeboten von ausländischen Interessenten verkauft die Allianz nun ihre DKV-Anteile an die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG. Denn diese bietet die für ein steuergünstiges Tauschgeschäft notwendigen Aktiva: Nun erhält Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle von der Münchener Rück, die im übrigen mit der Allianz verflochten ist, die restlichen 25 Prozent an der Vereinten Kranken, die Mehrheitsbeteiligung an der prestigeträchtigen Hamburger Industrieversicherer Hermes Kreditversicherungs-AG sowie verbliebene Anteile an Allianz-Firmen in Österreich. Die Raffinesse des Plans tritt klar zutage: Europas größte Krankenversicherer, DKV und Vereinte, bleiben in der Familie.

Nichts ging mehr bei baden-württembergischen Solar- und Windenergiefirmen - und das seit Ende März. Denn einen Tag nach den Landtagswahlen fror die CDU/FDP-Landesregierung wegen der "angespannten Haushaltslage" die Mittel für die Förderung erneuerbarer Energien ein. Seither herrschte bei den Firmen absolute Auftragsflaute. Nach vier Monaten mußte Georg Salvamoser, Inhaber der Solar-Energie-Systeme, erste Entlassungen ankündigen - und das, nachdem die Branche zuvor einen deutlichen Aufschwung verzeichnet hatte. Mit immerhin 17,4 Millionen Mark hatte das Land im vergangenen Jahr Anlagen zur Nutzung regenerativer Energiequellen (Sonne und Wind) gefördert und damit unter anderem die installierte Leistung der Windkraft verdreifacht. Am Montag verkündete Wirtschaftsminister Walter Döring das Aus für die Förderung im alten Stil. Statt Zuschüssen soll es künftig zinsverbilligte Darlehen von der Landeskreditbank geben. Die weit über 3000 Anträge auf Fördermittel, die beim Landesgewerbeamt aufgelaufen sind, werden zwar noch bearbeitet, die Antragsteller können jedoch nur noch mit einem Drittel der bisherigen Zuschüsse rechnen. "Wir und unsere Kunden wissen jetzt wenigstens, woran wir sind", sagt Georg Salvamoser. Die für Ende August angekündigten Entlassungen könnten hinfällig werden, wenn jetzt neue Aufträge kommen.

Der Kampf zwischen der Telekom und dem Mannheimer Softwareunternehmen Topware geht weiter. Mit einem neuerlichen Schachzug hat Topware das Vertriebsverbot für die auf CD-ROM gespeicherten Telephon- und Adreßdaten D-Info 2.0 umgangen und kurzerhand die Version 3.0 auf den Markt gebracht. Vor allem der Telekom und ihrem Chef Ron Sommer sind die Aktivitäten der Softwarefirma suspekt, denn diese eröffnet mit ihrem Billigprogramm ganz neue Zugriffsmöglichkeiten auf die Telephondaten: Mit der Eingabe der Rufnummer sind in den meisten Fällen gleich auch Name und Adresse ermittelt. Nachdem bei der ersten Version noch ein Scanner die Daten aus den Telephonbüchern übernommen hatte, was zu einem Verbot führte, wurden die Daten später per Hand eingetippt. Doch im Zuge eines Rechtsstreits, der noch immer nicht ausgestanden ist, verhängte ein Gericht kürzlich für die Version 2.0 ein Verkaufsverbot. D-Info 3.0 erweitert die Optionen: Unter anderem kann man per Balkendiagramm erkennen, was ein Anruf zur entsprechenden Zeit kostet. Die neue CD dürfte so lange verkauft werden, bis die Telekom ein erneutes Verkaufsverbot erwirkt. Entsprechende Schritte wurden bereits angekündigt.