Es waren einmal drei Brüder, Ludwig, Wolf und Theo. Der dritte war ein Stemmler, der zweite ein Schneider und der erste ein Reiners.

Der erste stellte ein Gebot auf, welches da lautete: "Du sollst einfach und verständlichschreiben!" Der zweite wollte auch eins aufstellen, es fiel ihm aber kein anderes ein. Also stellte er dasselbe Gebot auf - doch schlich sich eine Abweichung ein: "Du sollst noch einfacher schreiben! Und noch verständlicher!" Der dritte lief hinterdrein, statt aber seine älteren Brüder pfiffig aus ihrer Verirrung und Versteinerung zu erlösen, verbreitete er die Meinung, alle bisherigen Brüder seien bloß Amateure gewesen: Eduard Engel, Reichstagsstenograph Ludwig Reiners, Jurist und Textilkaufmann Wolf Schneider, "Journalist und Publizist".

Dennoch brachte es Theo Stemmler, das sicher nicht letzte Licht auf absteigender, immer strengerer und engerer Linie, zu keinem anderen Gebot als: "Schreib so idiotensicher wie möglich!"

Ludwig, der Textilkaufmann, hatte das Schlichtheits-Ideal wenigstens noch mit Beredtsamkeit vorgetragen Theo, der Hochschulmensch, übt sich im Verwässern verdünnten Wassers unwichtig mäkelnd, ironisch sein wollend, sich kümmerlich überlegen fühlend, ein Nicht-Ich, das auf Dauerknopfdruck losklingelt bei Stellen, die ihm nicht simpel genug vorkommen: "Umständlicher geht's nimmer."

Selbst das gelungene Schnörzelchen einer Heiratsannonce ("- und auch sonst mit beiden Beinen in keiner Wolke stehend"), der einzige Trostblick im Territorium angeblicher Ausrutscher, wird in "Stemmlers kleiner Stil-Lehre" als Bildbastard verleumdet.