Sie war die fünfte der schönen Töchter des Hauses Mitford: Jessica, die Rebellin, das "rote Schaf" einer noblen Familie, die Evelyn Waugh nicht besser hätte erfinden können. Während ihre Schwester Unity Valkyrie in Deutschland Adolf Hitler mitsamt seinen Stürmern und Schlächtern anhimmelte, beschloß "die kleine Decca", Kommunistin zu werden.

Nach einer überaus behüteten Kindheit zwischen Hühnern, Gouvernanten und honorablem Landadel in den Cotswolds, nach ihrer ersten Ballsaison - inklusive Knicks vor den Royals - in London, holte sie sich fünfzig Pfund Gespartes von der Bank und brannte durch. Zusammen mit Winston Churchills linkem Neffen Esmond Romilly wollte sie in Spanien kämpfen. Da war sie neunzehn, neugierig, romantisch anpolitisiert und hungrig auf Leben jenseits der gläsernen Grenze zwischen den besseren Kreisen und dem Rest der Welt. Sie landete jedoch nicht bei den Internationalen Brigaden, sondern nach einigen Umwegen durch die Londoner Boheme 1939 ohne Geld, aber verheiratet in Amerika. Wurde Mutter, Witwe - Romilly fiel 1941 - und von der Familie endgültig enterbt.

Ein Bruch, der weniger mit ihrem Beitritt zur kommunistischen Partei ("how silly") zu tun hatte, die sie 1957 wieder verließ, als mit der Tatsache, daß sie in zweiter Ehe den jüdischen Anwalt Robert Treuhaft heiratete. "Erst im reifen Alter von fast vierzig" und nach manch anderen beruflichen Experimenten begann Jessica Mitford zu schreiben. Warum schrieb sie? "Ich dachte, daß die einzige Sache, zu der es keine Ausbildung braucht und kein Geschick, das Schreiben ist."

Ihren subtil subversiven Blick zurück auf die britische Kindheit und Jugend ("Hons and Rebels") lehnten viele Verlage zunächst ab. Also konzentrierte sie sich auf den amerikanischen Alltag.

In Oakland, Kalifornien, jener Stadt, die Gertrude Stein in einem Satz ("there is no there there") zusammenfaßte, hörte sie von den kleinen Leuten, die Treuhaft als Armenanwalt vertrat, wie die amerikanische Weise zu leben im großen Betrug der amerikanischen Weise zu sterben endet.

Jessica Mitfords beißend ironischer Bericht über das ehrbare Geschäft mit dem einbalsamierten Lächeln unserer lieben Verblichenen brachte ihr Bestsellerruhm und der Bestattungsindustrie herbe Verluste.