Bonn

Eine Regierungserklärung, mitten im Sommerloch, gehört zu den selteneren Bonner Ereignissen. Jetzt ist es doch dazu gekommen.

Abgegeben hat sie nicht der Kanzler. Es war der JU-Vorsitzende Klaus Escher, der in Bonn erläuterte, wie sich seine Organisation - oder allgemeiner gesprochen "die junge Generation" - die künftige Reformpolitik vorstellt: grundlegend.

Natürlich ist sich Escher der "Hybris" bewußt, die in dem Titel "Regierungserklärung" mitschwingt. Aber manchmal brauche man eben kleine Übertreibungen, um überhaupt gehört zu werden. Ansonsten aber sieht sich der 31jährige nicht in der Gefahr, "punktuelle Aufmerksamkeit mit realem Einfluß zu verwechseln". Wie sollte er auch. Noch hat der Jurist und Angestellte einer Düsseldorfer Bank Politik nicht zu seinem Beruf gemacht. Aber wer ihm zusieht, wie er geschliffen, unaufgeregt und ziemlich stur für den "politischen Richtungswechsel" argumentiert, kann sich nur schwer vorstellen, daß es Escher bei Politik als Hobby belassen will.

"Wir können nicht zulassen, daß Mißstände vererbt, Probleme verschleppt oder Fragen tabuisiert werden", zitiert er aus dem Text, der auf dem nächsten Deutschlandtag der Jungen Union verabschiedet werden soll. Solche Formulierungen und die Kritik, die darin steckt, lassen unwillkürlich an den denken, der normalerweise für Regierungserklärungen zuständig ist. Doch der Kanzler wird nicht dasein, wenn die Jugendorganisation seiner Partei im Herbst in Görlitz über die Zukunft debattiert.