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Mitte Mai 1938 vollendete er sein "erstes brauchbares Gedicht".

Von da an ging es mit dem "aufgeweckten, ordentlichen jungen Mann" bergauf, zumal "etwas Nachteiliges nicht bekannt geworden" war und "diesseits keine Bedenken" bestanden. Diesseits - das war die Reichsschrifttumskammer, der in der NS-Zeit jeder angehören mußte, der als Schriftsteller bei der "Erzeugung von Kulturgut" mitwirkte.

Auch die Filmstiftung des rotgrün regierten Nordrhein-Westfalen hat mehr als ein halbes Jahrhundert später keine Bedenken, im Gegenteil, sie bescheinigt dem Herangewachsenen "Attraktivität und Substantialität der Stoffe" und verfügte darum, daß für die Verfilmung von vier Romanen des Heinz Konsalik vier Millionen Mark spendiert werden.

So viel Glück hatte Konsalik 1940 bei seinem Antrag um Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer nicht sofort. Zwar konnte der junge Mann ein beachtliches Frühwerk aufweisen: "Ende August 1938 entwarf ich in kurzen Zügen den Inhalt und die Form der heroischen Tragödie: ,Der Geuse`. Nach genau einem Jahr, am 31. August 1939, hatte ich mit 16 Jahren als Obersekundaner das Drama fertiggestellt.

Kurz danach trat ich in die Gebietsgefolgschaft der Hitlerjugend, Gebiet 11 Mittelrhein (HJ-Streifendienst Bann 217) über. Sofort nach Beendigung des Geusen begann ich die Arbeit an dem dramatischen Schauspiel ,Gutenberg`, das in der vergangenen Woche, im März 1940 fertiggestellt wurde."

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Und jetzt, am 1. April 1940, wollte er Mitglied in der Reichsschrifttumskammer werden. Das war selbst dieser ein wenig zu eilig: "Ihrer Bitte, Sie als Mitglied der Reichsschrifttumskammer zu führen, kann leider zurzeit nicht entsprochen werden." Sobald sich herausstelle, daß "Umfang und Bedeutung Ihres schriftstellerischen Schaffens so groß werden, daß Sie die Mitgliedschaft erwerben müssen, wird entsprechend verfahren werden". Inzwischen mußte Konsalik längst.

Nur der Kölner Schriftsteller Wolfgang Bittner schwingt heute - wie die FAZ entdeckte - eine "ideologische Keule", weil er nicht weiß, was das Frankfurter Zentralorgan aus erster Quelle weiß, daß nämlich "aus Schundromanen mitunter Meisterwerke" der Filmkunst entstanden. Bittner jedenfalls hat als Mitglied des Rundfunkrates des WDR dagegen protestiert, daß vier Millionen für das Werk eines Mannes ausgegeben werden, das er "nicht nur für trivial, sondern auch für tendenziell faschistoid" hält.

Und die ideologische Keulenschwingerriege wird zur Pein des spendenfrohen Landes Nordrhein-Westfalen immer größer. An ihrer Spitze stürmt weißbärtig der 86jährige Lew Kopelew. Er kann sich erinnern: "Zitate aus Konsalik-Romanen waren die trefflichsten Argumente für sowjetische Publizisten, die über Revanchismus in Westdeutschland schrieben oder sprachen." Die von der FAZ ausgespähte Keule schwingt auch der emeritierte Kölner Germanist Karl Otto Conrady, der in einem Gutachten aufzählte, wie viele Literaturwissenschaftler sich darin einig sind, daß es sich bei Konsalik um einen neofaschistischen Propagandisten des Kalten Krieges handelt.

Der in der Darstellung Deutschlands im Ausland erfahrene Kulturchef der Deutschen Welle Hans Vetter hat sich als Vorsitzender der Filmförderungskommission der Filmwirtschaft NRW inzwischen dagegen verwahrt, daß "von einem Herrn Bittorf, der sich selbst als ,Schriftsteller` bezeichnet", sein Autor "aus militanter ideologischer Gegnerschaft" als trivial und faschistoid "einsortiert und damit moralisch gebrandmarkt wird". Den Namen Bittorf strich der literaturkundige Förderchef durch und schrieb Bittner an den Rand. Konsalik wird verfilmt, vier Millionen fließen und damit basta!

Ach ja, die besondere Qualifikation, die Konsalik schließlich den Segen der Reichsschrifttumskammer einbrachte, trotz fehlender formaler Eignung, hätten wir fast vergessen. Nichts Schlimmes, der junge Konsalik war nicht etwa IM bei der Stasi, das nicht.

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In seinem Bittbrief an die Reichsschrifttumskammer schrieb er: "Anfang Dezember 1939 trat ich eine Tätigkeit bei der ,Gestapo` an, die ich auch weiterhin beibehalte."