Die Frau eines normannischen Landarztes. Die Gattin eines preußischen Beamten. Die Gastwirtin aus Kroatien, verschlagen nach Amerika.

Emma Bovary, Effi Briest und Drenka Balich: es kommt scheinbar nicht darauf an, es sind merkwürdige Gestalten, die wir ein Leben lang nicht mehr vergessen können, weil einer uns ihre Geschichten erzählt hat. In allen drei Fällen bis zum Tod.

Aber Philip Roth, der Schöpfer der Drenka Balich, erzählt nicht selbst, er läßt erzählen. Sein Held Sabbath ist der Autor dieser Geschichte, er ist der Geliebte dieser Kroatin, er spricht mit ihr und hört ihr zu, bringt ihr obszönes Englisch bei nebst zugehörigen Praktiken, er liegt mit ihr am Fluß und lauscht ihren erotischen Abenteuern, er saugt an ihren Zehen und bringt sie zum Lachen, er streitet mit ihr und versetzt sie in Rage, er läßt sich von ihr überfallen, besitzen und lieben, er probiert mit ihr ihre Träume aus, und dann sitzt er an ihrem Krankenhausbett zwischen ihren Sch läuchen und der Drainage und dem Beutel Urin, sitzt am Wrack dieser Frau und lacht mit ihr, erinnert sich wieder und wieder mit ihr, und nach ihrem Tod macht er weiter damit, weil er einfach nicht anders kann.

Sabbath konnte noch nie anders. Der jüdische Junge Mickey Sabbath, der ein arthritischer alter Mann wurde, gräbt wie jeder Mensch sein Leben um, erzählt es sich selbst immer wieder, sucht nach diesen Situationen, von denen man später sagt: Da hätte ich das tun können. Dann wäre es vielleicht anders gekommen. Und sei es nur, weil dann ein Quentchen mehr Glück oder Freude ein Gran Trost bringen könnte, während er dieser Frau die Hand hält, die ihr Wasser längst nicht mehr halten kann.

",Wo du geboren bist. Ich wäre gern mal an die Küste von Jersey gefahren.`

,Das hätten wir tun sollen. Ich hätte mit dir mal hinfahren sollen.`