Der Mensch ist, darüber kann uns selbst Silberfischchen Franzi nur vorübergehend hinwegtäuschen, ein Landbewohner. Von Geburt an Nichtschwimmer, unterläßt er gleichwohl keine Anstrengungen, das Wasser, dieses unheimliche Element, zu seinem Tummelplatz zu machen. Er erfand die Schwimmflügel, um seinen Nachwuchs schon im frühen Kindergartenalter mit dem Schrecken des Wassers zu konfrontieren, ersann Taucherbrillen und Preßluftflaschen, um es unter dem Meeresspiegel den Fischen gleichzutun.

Und schließlich hat der Mensch auch den eigenen, zur Auskühlung neigenden Körper durch die Entwicklung von Neoprenanzügen überlistet.

So geschah es, daß selbst im Ärmelkanal, den man dank zahlreicher Fähren und eines Tunnels bequem trockenen Fußes über- oder unterqueren kann, neuerdings (ehr-)geizige Individualreisende anzutreffen sind, die den Seeweg von Dover nach Calais mit kraftvollen Kraulzügen in Angriff nehmen.

Braucht der Mensch den Nervenkitzel, die Einsicht, daß er das Wasser mit überaus zwielichtigen Elementen teilt? Ein Bad unter Feuerquallen, Einsiedlerkrebsen, Teufelsrochen oder gar Piranhas vermag einem faden Strandurlaub den ersehnten Adrenalinstoß zu geben. Und vielleicht taucht hinter der nächsten Welle ja auch der Inbegriff des Schreckens der Meere auf, jenes markante Flossendreieck, das uns schon im Kino schweißfeuchte Handflächen bescherte.

Zu verhindern, daß dieses Zusammentreffen ein blutiges Ende - nicht für den Hai - nimmt, haben sich unsere öffentlich-rechtlichen Sicherheitsberater auf die Fahnen geschrieben. Unser Dank gilt diesbezüglich dem ARD-Mittagsmagazin, dessen Ratschläge wir an dieser Stelle gern weitergeben: Auf keinen Fall sollten Sie es auf ein Wettschwimmen ankommen lassen, denn dabei droht - wie Franzi, Dagmar & Co.- garantiert nur die Silbermedaille. Aug in Aug mit dem Hai ist also der Fluchtreflex auf jeden Fall im Zaume zu halten und statt dessen Kaltblütigkeit am Platze. Laut dem Verbrauchertip der ARD sollten Sie dem Tier festen Blicks und mit ausdrucksstarken Drohgebärden entgegenschwimmen und ihm möglichst kraftvoll eins auf die Augen geben. Heil zurück am Strand angekommen, nehmen Sie Kontakt mit den zahlreichen Videoamateuren auf, die Ihre beherzte Aktion sicher gefilmt haben, und schicken Sie das Band an die ARD-Kollegen.

Falls allerdings, und auch das soll leider vorkommen, der Hai Ihre Taktik durchschaut, gibt es noch einen Retter in der Not - und auch den kennen wir aus dem Fernsehen. Soeben erreichte uns eine hoffnungstiftende Nachricht: Als ein Schwimmer nach einer Haiattacke blutend im Wasser trieb, schützten ihn Delphine vor weiteren Angriffen in einer wahrhaft artenübergreifenden Rettungsaktion.