Was haben Boris Becker, Michael Jackson und Bill Gates gemeinsam?

Sie agieren in Winner-Take-All-Märkten, in denen eine Handvoll Glücklicher Geld und Prestige auf sich vereinen, während der Rest mit Überbleibseln zufrieden sein muß. Diese Superstar-Märkte stehen im Zentrum des Buches "The Winner-Take-All Society" der Ökonomieprofessoren Robert Frank und Philip Cook, das in den Vereinigten Staaten Aufsehen erregt. Ausgangspunkt des Buches ist die zunehmende Kluft zwischen Arm und Reich: Während sich die Einkünfte im obersten Prozent der amerikanischen Einkommenspyramide zwischen 1979 und 1989 verdoppelt habe, seien sie bei den untersten 20 Prozent um ein Zehntel gesunken.

Die Hauptthese von Frank und Cook: Arm und Reich driften auseinander, weil in immer mehr Wirtschaftsbereichen Winner-Take-All-Märkte entstehen. Nicht mehr nur Schauspieler oder Sportler sind Superstars, sondern auch Rechtsanwälte, Journalisten, Ärzte, Professoren oder Manager. Kurzum: Hollywood ist bald überall.

Die Gründe für die Ausbreitung des Starsystems seien vielfältig: Geringere Transportkosten, bessere Telekommunikation, zunehmende Deregulierung und die immer größere Bedeutung der englischen Sprache würden aus einst nationalen Märkten globale Wettkampfbühnen machen.

Klar, daß da die Einkommensunterschiede größer werden: In immer mehr Märkten bekommen Superstars einen überproportionalen Anteil des Kuchens, auch wenn sie nur wenig besser sind als die Masse der Konkurrenten. Und diese müssen mit entsprechend weniger auskommen.

Die Entwicklung ist für die herrschende ökonomische Meinung positiv.

Einkommensunterschiede reizten dazu an, mehr zu leisten. Die Autoren halten sie dagegen für schädlich, weil mittlerweile zu groß: Zu viele Menschen kämpften um die wenigen Plätze an der Spitze und machten dabei unproduktive Investitionen. Massen von Studenten würden beispielsweise in wenige, überfüllte Karrieren gelockt - während andere weniger glorreiche, aber genauso wichtige Berufe unterversorgt blieben. Die Kosten für die Gesellschaft seien hoch, meinen Frank und Cook: Ihr entginge, was die glücklosen Wettbewerber sonst geschaffen hätten. Und der "Rüstungswettlauf" beim Kampf um die Spitze sei oft reine Verschwendung.