Was waren das für selige Zeiten, als Mädchen, Weibchen und sanfte Täubchen Herz, Hirn und andere Organe des gemeinen Mannes erfreuten.

Inzwischen gibt es kaum noch Weibchen, die Mädchen haben oft andere Prioritäten und die Täubchen ein Problem. Es geht ihnen an den Kragen.

Der schöngefiederte Vogel, der seit mehr als 7000 Jahren durch Mythos und Geschichte flattert, der Venus und andere Göttinnen der Liebe beflügelte und selbst bei der unbefleckten Empfängnis eine Rolle spielte, dieses friedliche und fruchtbare Tier gilt nun als Landplage, das heißt als Stadtplage, und soll ausgerottet werden.

Taubenfänger Remco Bakker aus Nimwegen hat Hochsaison. Auf seinem Schreibtisch türmen sich Aufträge und Anfragen, nicht wenige von deutschen Firmen, Kirchen und Gemeinden. Denn Remco Bakker ist ein Profi. Von den 5000 Tauben der niederländischen Stadt Zwolle sind ihm letzthin 4500 auf den Leim gegangen, und für 4000 Gulden will er nun auch die 500 gurrenden Geschöpfe vom Marktplatz im benachbarten Raalte einfangen. Raalte soll taubenfrei werden, fordern Bürger und Gemeinde, weil diese Tiere auf private Balkone, auf öffentliche Plätze sowie auf Banken, Gotteshäuser und Geschäfte scheißen. Einfältig, wie sie nun mal sind, fehlt den Tauben jegliche Einsicht in die saubere Logik unseres spätkapitalistischen Jahrhunderts.

Sie weigern sich, auf energische Worte zu hören, lassen sich auch kaum durch Verhütungsmittel regulieren, sondern vermehren sich vielmehr auf anarchische Weise. Da muß man eingreifen.