Die Szene im Georgia Dome von Atlanta war filmreif: Zum Abschluß des Teamwettkampfes sollte die US-Turnerin Kerri Strug springen - trotz einer Verletzung am linken Fuß. Ihr Trainer redete auf sie ein. Sie lief an, wirbelte artistisch durch die Luft - und brach nach der korrekten Landung zusammen. Bänderriß am linken Fuß. Derweil tobten die 32 000 Zuschauer vor Begeisterung. Endlich stand fest, daß ihre Girls gesiegt hatten. Gold kennt keinen Schmerz.

Trainer Bela Karoly erklärte seine mädchenhafte achtzehnjährige Kerri flugs zur Heldin, von der man "noch in hundert Jahren sprechen" werde.

Einen Tag später forderte das US-Ärzteblatt New England Journal of Medicine, in einem (lange vorher verfaßten) Artikel eine öffentliche Diskussion über die körperlichen und seelischen Probleme von Eliteturnerinnen.

Die oft noch kindlichen Gymnastikerinnen vollbrächten "Stellvertreter-Heldentaten" für ihre ehrgeizigen Eltern und Trainer, im Extrem sei dies Kindesmißbrauch.