Wie viele Worte, wieviel Geld, wie viele Demütigungen? In Mostar scheitert der Versuch der Europäischen Union, durch gutes Zureden und großzügige Subventionen eine geteilte Stadt wiederzuvereinigen.

Die Kroaten blockieren die Wahl eines gemeinsamen Bürgermeisters und die Verlängerung des EU-Mandats bis zum Ende des Jahres.

Bei den Kommunalwahlen am 30. Juni verloren die kroatischen Nationalisten der HDZ (45 Prozent) gegen die Liste "Für ein vereintes Mostar" unter Führung der muslimischen SDA (48 Prozent). Da sich die unabhängigen Parteien auf die Seite der SDA geschlagen haben, verfügt diese über eine komfortable Mehrheit im Stadtrat von Mostar. Die HDZ suchte Gründe, die Wahl anzufechten, und fand sie - in Bonn. Dort vergaßen EU-Helfer, 24 muslimische Flüchtlinge nach der Stimmabgabe auf der Wahlliste abzuhaken. So entstand der Eindruck, es habe mehr Stimmen als Wähler gegeben. Die EU erklärte den Urnengang trotz dieser marginalen Panne für gültig. Die Kroaten boykottieren seither den Stadtrat. Das hat einen gefährlichen Präzedenzfall für die bosnischen Wahlen am 14. September geschaffen: Wem immer das Ergebnis mißfiele, könnte sich unter Ausflüchten in seine ethnische Festung zurückziehen.

Eine rechtschaffen empörte EU-Troika hat in Zagreb dem kroatischen Präsidenten ihre Aufwartung gemacht. Doch Franjo Tudjman ließ die Europäer abblitzen und wies jede "Erpressung" zurück. Er braucht seine Kampfgefährten: Zu eng ist das Netz der herzegowinischen Lobby in Zagreb, zu hoch sind die Zahlungen der reichen Exilherzegowiner an Tudjmans Partei, zu wichtig die Männer in Mostar für die fortschreitende Verschmelzung der Herzegowina mit Kroatien.

Der stellvertretende Hohe Repräsentant Michael Steiner in Sarajevo benennt "das Kernproblem" von Mostar: "Es gibt eine kleine Gruppe von Mafiosi, die in der Vergangenheit auf Kosten von Kroaten, Bosnjaken und anderen geherrscht haben. Sie trotzen den Wahlen . . ., um ihre Macht in West-Mostar zu erhalten." Um die Steuerkasse, um Prostitutionsgelder und gestohlene Autos liefern sich die Clans in der herzegowinischen Hauptstadt regelmäßig Schießereien. Im Verteilungskampf mit Maschinenpistolen starb vor kurzem der Neffe des ehemaligen kroatischen Bürgermeisters Brajkovic.

Die Europäische Union hat den Kroaten eine letzte Frist bis zum 4. August gesetzt, die Wahl anzuerkennen. Für den Fall, daß sie nicht einlenken, fordert der ehemalige Administrator Hans Koschnick, die Wiederaufbauhilfe für Kroatien zu stoppen. Recht hat er. Die EU hat zu viele Demütigungen erlitten, um sich weiter vor dem klaren Signal drücken zu können: Wer Mostar teilt, bricht die Verbindung nach Europa ab.