Seit einem Jahr sitzt Ingrid K. in Lübeck im Gefängnis. Nun wird sie wegen früherer Betrügereien dem Amtsrichter in Kiel vorgeführt.

Der Richter und die Angeklagte sind alte Bekannte, denn Frau K.s Vorstrafenregister beginnt im Jahr 1984. Die kräftig gebaute Vierunddreißigjährige trägt einen unregelmäßig durchfärbten, praktischen Stoppelschnitt.

Ihr einziger Schmuck sind ein Paar vergoldete Ohrringe.

"Die Haftstrafe hat mir sehr geholfen", glaubt Frau K. "draußen" sei sie nie von ihrer Spielsucht losgekommen. Der Richter ist einigermaßen verblüfft an den erzieherische Kraft der Haft hat er offenbar nicht mehr geglaubt. "Wenn ich nach dreißig Berufsjahren jemand da hineinbringen muß, mach' ich mir ja hinterher kaum noch Gedanken, was da so passiert", räumt er ein.

Was ihr vorgeworfen wird, gibt Frau K. sofort zu. 1994 und 1995 suchte sie immer wieder, mitunter gar alle zwei Tage, das Arbeitsamt auf und behauptete dort, Postanweisungen oder Überweisungen seien nicht eingetroffen. Stets erhielt sie anstandslos das bereits gezahlte Geld ein zweites Mal, bar auf die Hand. Umgehend trug sie es in die nächste Daddelhalle. Frau K. zuckt mit den Achseln.