In der Welt der Bücher war das Leben von Georg Ramseger zu Hause.

Er begann als Buchhändler, und bis in seine letzten Jahre las das sachkundige Publikum mit Gewinn seine Beiträge im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel. In den nicht nur kalendarisch zentralen Jahren seines Lebens aber leitete er das Feuilleton der Welt und deren von ihm 1964 mitbegründetes Supplement Die Welt der Literatur. Am 22. Juli ist Georg Ramseger, 83jährig, in Starnberg gestorben.

In der Redaktion der Welt habe ich ihn als Journalisten der Generation kennengelernt, die als jung galt, aber zwangsläufig schon erfahrungsklug war. Ramseger hatte 1939 noch gerade sein Studium der Literatur, Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie mit einer einschlägigen Dissertation beenden können. Dann war er elf Jahre lang uniform gekleidet, bis er 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde.

Als er, gedankenvoll und tatendurstig, 1952 zur Welt stieß, fiel noch niemandem ein, in diesem Blatt das Flaggschiff des Springer-Konzerns zu sehen. Unter Ramsegers Leitung wurde das Feuilleton unbestritten zum zeitweilig wichtigsten Teil des seinerzeit pluralistisch-liberalen Blattes. Ramses, wie er im Hause genannt wurde, dirigierte eine Redaktion höchst unterschiedlicher Charaktere. Brillante Schreiber waren sie alle: der längst zur Legende gewordene Patriarch Willy Haas, der im Berlin der ersten Republik die Literarische Welt gegründet hatte, Christian Ferber von der Gruppe 47, aber auch die jungen Leute, die sie damals waren, Karl-Heinz Bohrer, Helmuth de Haas, Hans-Dietrich Sander, Jost Nolte und andere. Als junger Reporter mit Schreibstübchen neben dem Feuilleton habe ich einige Jahre lang etwas von den Diskussionen in Ramsegers Ressort mitbekommen, wenn sie sich bis in die Flure fortsetzten. Der Blattmacher Ramses steht mir noch vor Augen: Oft nach Umbruchschluß mit einem Rotweinglas in der Hand, den prägnanten Kopf leicht vorgeschoben, wirkte er stets wie unter Dampf stehend, wenn er seine Reden mit einer Art räusperndem Grunzen begann.

Er war zu begeistern und konnte begeistern. So entstand auch die Welt der Literatur: ein ehrgeiziges und für die externen wie vor allem internen Rahmenbedingungen, wie man es wohl nennt, zu ehrgeiziges Unternehmen. Ramseger überstand es gegenüber dem Verleger der Bild-Zeitung nur gerade ein Jahr.

Seine besondere Liebe galt der Buchkunst und der großen Karikatur, wie seine Arbeiten über Mirko Szewszuk und A. Paul Weber belegen, seine Mißgunst dem Fernsehen: "Die künstliche Welt des Fernsehschirms als Ersatz für gelebtes Leben, das ist so grotesk wie ekelerregend" - es stand in der Welt vor mehr als drei Jahrzehnten wie auch sein vielleicht erfolgreichster Artikel "2,5 Milliarden D-Mark und dennoch nicht auf Rosen gebettet". Nach seinem Erscheinen ermäßigte der Bundestag die Umsatzsteuer für Bücher.